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William Shakespeare: 012
ZaunköniG Offline
Matre du Sonnet
****

Beiträge: 4.746
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Gb-England William Shakespeare: 012
William Shakespeare
1564 - 1616 England

12

When I do count the clock that tells the time,
And see the brave day sunk in hideous night;
When I behold the violet past prime,
And sable curls all silver'd o'er with white;

When lofty trees I see barren of leaves
Which erst from heat did canopy the herd,
And summer's green all girded up in sheaves
Borne on the bier with white and bristly beard,

Then of thy beauty do I question make,
That thou among the wastes of time must go,
Since sweets and beauties do themselves forsake
And die as fast as they see others grow;

And nothing 'gainst Time's scythe can make defence
Save breed, to brave him when he takes thee hence.



12

Die Uhr zeigt mir die Frist, wenn ich sie seh’.
Ich seh’, der Tag fällt in die finstre Nacht,
da ich zuerst das Purpurlicht erspäh’
und Zobelweiß bald alles silbrig macht.

Ich seh’ die stolzen Bäume ohne Laub,
die erst die Tiere vor der Glut bewahrt
und überall war frisches Grün, statt Staub
und Stoppeln auf den Feldern grau und hart.

Die Frage stellt sich bei dem höchsten Stand,
ob Du zur besten Zeit wohl gehen musst,
da Dir, sobald die neue Saat im Land,
die eigne Schönheit nichts ist als Verlust.

Nichts schützt Dich vor der Zeitensense Schneid,
wenn doch aus Dir nichts folgt dort weit und breit.



.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.12.2018 12:21 von ZaunköniG.)
14.12.2018 09:48
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Rohrer Offline
Stift
****

Beiträge: 33
Registriert seit: Jun 2018
Beitrag #2
RE: William Shakespea012
Purpurlicht und Zobelweiß, sehr schön!

12

Die Zeiger, seh ich, spiel’n ein Weilchen Fangen,
der Tagesmut wird nächtens zahm versinken,
ein letztes Blau erlischt auf Veilchenwangen,
seh Locken, die sich wundersam verzinken,

schau, wie der stärksten Bäume Blätter weichen,
noch Schutzschild vor der Hitze, auch der Herde;
wenn sommergrüne Garben Wetter bleichen
zum Stoppelbart im Todeshauch der Erde -

Dann stell ich deiner Schönheit trübe Fragen:
Was, wenn die Zeit auch dich entsorgen mag,
wird all dein Selbstwert in der Früh betragen?
Sieht sie sich sterben, was wächst morgen, sag?

Nichts trotzt der Zeit, des Sensenblattes Hieb;
nichts - außer das, was Nachwuchs hat: es blieb.
14.12.2018 20:26
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.596
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: William Shakespeare: 012
Hallo Zaunkönig,

für V 2, Zeile 8 hätte ich einen Vorschlag, weil mir das "das grau und hart" ein wenig nachklappert.
" und Stoppeln auf den Feldern, grau und hart" passt in seiner Abfolge "grau/hart" sehr gut zu "Staub/Stoppeln".

In V 3 bist du mMn ein wenig zu weit weg vom Sinn. Das LI stellt keine Frage, ob zur besten Zeit gegangen werden soll" sondern stellt die Schönheit ds LI in Frage, das in den Öden der Zeit (ver)gehen muss.

Hallo Rohrer,

ist mir schon länger ein Bedürfnis, den virtuellen Hut zu lüpfen. Ich finds klasse, wie du immer wieder diese Übertragungen auch noch geschüttelt schaffst. Ich hab mich ein zweimal an einem Schüttelsonett versucht, aber das war dann auch schon alles, also wie gesagt meine Hochachtung.

Bei deiner Übertragung hätte ich einen Vorschlag zu V 1 Z 4


seh Lockenschwarz sich wundersam verzinken. Würde das "sable" in einer Farbvariante aufgreifen.

und in V 2 Z 3 ist die Formulierung etwas missverständlich,
"wenn sommergrüne Garben Wetter bleichen"
da könnte ein Doofus wie ich auf den ersten Blick lesen, dass die Garben die Wetter bleichen.

Ich weiß nicht, ob das dann noch als Schüttler gilt, weils sehr weit auseinander steht, aber

"wenn Wetter sommergrüne Garben bleichen" wäre mE eindeutig. Aber die Schütteldistanz ist wahrscheinlich das Argument dagegen?

lG euch beiden

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
21.12.2018 08:50
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ZaunköniG Offline
Matre du Sonnet
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Beiträge: 4.746
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: William Shakespeare: 012
Hallo Sneaky,

Danke für deinen Korrekturvorschlag zu Zeile 8. Ich habe es gleich oben geändert.
Mit der dritten Strophe hast du sicherlich auch Recht. Zumindest ist die nicht sehr elegant gelöst.

Grundsätzlich möchte ich anmerken, dass die Shakespeare-Übersetzungen meine ältesten Nachdichtungen überhaupt sind. Sie stammen noch aus dem letzten Jahrhundert.
Ab und zu streue ich hier mal eines ein, um auch diese Rubrik zu bedienen, aber mein Ehrgeiz ist eigentlich nicht die zweihundertdreißigste Shakespeare-Nachdichtung, wo so viele gute andere Autoren noch unbekannt sind.

Dennoch danke fürs Drüberlesen.

lg ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
21.12.2018 12:30
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.596
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: William Shakespeare: 012
Hallo Zaunkönig,

Sie stammen noch aus dem letzten Jahrhundert. BravoBravo

Klingt echt amüsant, auch bei mir hat das Übersetzen zumindest fast mit Shakespeare begonnen. Wenn ich mich recht erinnere, war es Audens As I Walked out, das ich als Übersetzungsübung im alten 4 w Forum verbrochen habe. Danach kann dann schon Shakespeares Nr. 18.

Ich kann daher schwer an solchen vorbei, wenn überhaupt.

lG

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
27.12.2018 08:35
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