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Wilhelm Trübner: Rauchender Mohr / Kassensturz
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Wilhelm Trübner: Rauchender Mohr / Kassensturz
Wilhelm Trübner
1851 - 1917


   


Rauchender Mohr / Kassensturz

Wenn Du dir damit ein Bedürfnis stillst,
dann kann ich gern auf ein, zwei Kaffee bleiben.
Du zahlst!? Ich will vermeiden, anzuschreiben.
Warum Du grade mich heut malen willst,

brauchst Du vor mir nicht wortreich auszubreiten.
Ich habe meines, Du hast Dein Talent.
Ich weiß nicht, welches Feuer in Dir brennt....
Dir eine kleine Freude zu bereiten,

hab ich nicht mehr, als etwas still gesessen;
zu wenig, um in meiner Schuld zu stehen.
Du sprichst von Neugier, sprichst von Interessen,

suchst mich durch bloses Ansehn zu verstehen.
Du hast mich lange gründlich angesehen,
doch meinen Namen wirst du bald vergessen.


.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.12.2019 12:32 von ZaunköniG.)
26.11.2019 03:07
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Rohrer Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 52
Registriert seit: Jun 2018
Beitrag #2
RE: Wilhelm Trübner: Rauchender Mohr / Kassensturz
Eines der schönsten Sonette, die ich von Dir kenne. Das ich behalten muss.
Die filmische Umsetzung dieser Zeitlupe ist beeindruckend!

Und anregend. Es gibt da ein Gemälde, über das ich schreiben muss. Moment. Ich hab es gleich, Whistler. Also auf Englisch.
30.11.2019 03:34
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Wilhelm Trübner: Rauchender Mohr / Kassensturz
Danke für die Blumen. Es ist ja immer schwierig einen eigenen Text einzuschätzen.

Bei all den Sonetten die ich bereits auf Bilder verfasst habe, sind Portraits immer noch eine besondere Herausforderung.
Es ist so leicht daher gesagt, dass uns Physionomie, Mimik oder Haltung etwas über den Menschen verraten. Zumindest unbewusst spielt das natürlich eine Rolle, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht - und es kann nicht schaden es sich auch bewusst zu machen, aber: Stellen wir uns den selben Menschen bei der Feldarbeit vor, beim Spielen mit Kindern oder einer politischen Demonstration....
Der Eindruck wäre ein völlig anderer und so spiegelt ein Portrait vor allem die Situation des Gemaltwerden wieder.
Naheliegend, dann das Verhältnis von Maler und Modell in den Blick zu nehmen. Was hat Trübner am Modell gereizt und wie geht das Modell mit der Situation um?
Schwarze waren damals noch nicht so präsent im Stadtbild. Ich mutmaße mal, dass es auch um eine gewisse Exotik bei der Motivwahl ging. - und sicher ist die dunkle Haut auch malerisch mal eine andere Herausforderung. - Das dürfte auch dem Modell bewusst gewesen sein. Trübner dürfte ihm mit Anstand und Respekt begegnet sein, - sonst hätte er sich nicht darauf eingelassen - aber ein tieferes menschliches Interesse kann bei einer Zufallsbekanntschaft nicht vorausgesetzt werden.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.12.2019 13:32
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