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W. Wordsworth: Footsteps to a Throne
Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB W. Wordsworth: Footsteps to a Throne
Methought I saw the footsteps of a throne
Which mists and vapours from mine eyes did shroud,
Nor view of him who sate thereon allow'd;
But all the steps and ground about were strown

With sights the ruefullest that flesh and bone
Ever put on; a miserable crowd,
Sick, hale, old, young, who cried before that cloud,
"Thou art our king, O Death! to thee we groan."

I seem'd to mount those steps; the vapours gave
Smooth way; and I beheld the face of one
Sleeping alone within a mossy cave,

With her face up to heaven; that seem'd to have
Pleasing remembrance of a thought foregone;
A lovely Beauty in a summer grave!

Stufen zum Thron - Eine Vision

Mir deucht’, ich sähe Stufen, die zum Throne führen,
Die Sicht verschleiert, Dunst und Nebel dick,
Auch der drauf saß, entzog sich meinem Blick;
Auf Stieg’ und Boden sollte mich berühren

ein Anblick, so voll grauenhafter Not
aus Fleisch und Blut, elend das Volk wie nie,
Krank, heil, alt, jung, das vor der Wolke schrie,
„Du bist der Herr, gegrüßet seist du, Tod!“

Ich stieg hinauf, der Dunst war bald vorbei,
es wurde klar; ich sah eine Gestalt,
die schlief allein im Bett aus Moos und Heu,

Gesicht zum Himmel hoch; sie schien so frei,
Erinnernd eines Lieds, das längst verhallt;
Ein schönes Kind, ins Grab gelegt im Mai.
27.04.2007 07:52
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Footsteps to a Throne
Hallo Silja,

das ist ja ein seltsamer Traum, das Ende schwierig zu deuten.
nichts desto trotz gefallen mir Original und Übersetzung. Nur die erste Zeile behagt mir nicht ganz: "Mir deucht" scheint mir doch etwas arg atiquierte Sprache zu sein.

Was hältst du von

"Wir war, als säh' ich Stufen..." ?

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
27.04.2007 19:48
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Footsteps to a Throne
Hallo Zaunkönig,
freut mich, dass es dir gefällt. Es ist wohl eine Art Himmel-und-Hölle Traum. Und das schöne Kind am Ende hat im Gegensatz zu allen anderen seinen Frieden gefunden.

Das 'mir deucht' ist natürlich dem ebenso antiquierten 'methought' nachempfunden, das ja an so prominenter Stelle da am Anfang steht. Das Sonett ist 1806 verfasst. 'Mir war' ginge natürlich, nimmt aber etwas von der Besonderheit weg, finde ich. Muss ich noch mal drüber nachdenken.
28.04.2007 00:58
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Footsteps to a Throne
Hallo Silja,

wenn ich mich an das "mich deucht" erinnert hätte, hätte ichs vielleicht auch gewählt. Mir gefällts. Ich hab mich auch dran versucht:

Es schien mir so als sähe ich den Aufgang
zu einem Thron, den Nebel meiner Sicht
entzog wie seinen Herrn. Doch dicht an dicht
lagen auf seinen Stufen längelang

was je als menschliche Gestalt misslang,
teils jung teils alt, teils krank oder auch nicht,
riefen ins Grau, so wie der Beter spricht:
„Tod, unser Fürst, zu dir rufen wir bang“

Ging ich die Stufen hoch? Der Nebel wich
sanft vor mir weg, da schlief eine Gestalt
im hohlen Fels auf einem Bett aus Moosen

das Antlitz himmelwärts, als ob es sich
erinnerte an Schönes, lang verhallt:
Maikönigin im Grab aus Sommerrosen.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
28.04.2007 16:13
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Footsteps to a Throne
"Mich dünkt" wäre noch eine Alternative...

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
28.04.2007 17:41
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: William Wordsworth: Footsteps to a Throne
Deine Version ist auch sehr schön, sneaky, vor allem in den Terzinen. Bin mir nicht ganz sicher, ob die Rosen wirklich da zu dem Moos passen, aber sie klingen zumindest schön.
Wie wär's also zur Abwechslung mal mit einer allgemeinen Kombi-Version:

Mich dünkt, ich sähe Stufen, die zum Throne führen,
Die Sicht verschleiert, Dunst und Nebel dick,
Auch der drauf saß, entzog sich meinem Blick;
Auf Stieg’ und Boden sollte mich berühren

ein Anblick, so voll grauenhafter Not
aus Fleisch und Blut, elend das Volk wie nie,
Krank, heil, alt, jung, das vor der Wolke schrie,
„Du bist der Herr, gegrüßet seist du, Tod!“

Ging ich die Stufen hoch? Der Nebel wich
sanft vor mir weg, da schlief eine Gestalt
im hohlen Fels auf einem Bett aus Moosen

das Antlitz himmelwärts, als ob es sich
erinnerte an Schönes, lang verhallt:
Ein schönes Kind im Grab aus Sommerrosen.
29.04.2007 04:51
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: William Wordsworth: Footsteps to a Throne
Hallo silja,

warum nicht?. Hab in den Quartetten wohl zuviel Enjambment reingebracht und die misslang Zeile ist auch nicht das, was gemeint war.

Die Sommerrosen sind im Original nicht da, aber was reimt sich sinngemäß passend auf Moosen?. Ich hätte kein Problem damit, die wieder rauszunehmen. Moos wäre mir auch lieber, um da nicht eine Langzeile reinzusetzen. Aber die Elision bei Rose find ich scheußlich.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
29.04.2007 10:30
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