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Daubenblick
Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 208
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Daubenblick
Noch einmal bannt der Blick das Ziel: die Daube,
verschmelzen Absicht, Wille, holen aus
zum Schwung, ein Ausfallschritt, den Schuss voraus
begleitet unerschütterlich mein Glaube.

Der Stock durchmisst die Bahn metallen schwer
auf weicher Sohle; aus der Scheibenmitte
ein hochgereckter Stiel, so als durchschnitte
die Orcafinne spiegelglattes Meer

nach Beute. Nicht mein Sinn, ihn stillt nur Nähe,
Distanz verringern, nah, ganz nah an sie
heran in jeder Kehre, bloß berühren,

mitunter mit ihr gleiten, sie entführen
zu Grenzen, die nur eng gezogen, nie
das Feld verlassen – still vor ihr, ich stehe.


© Friedrich 2007


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Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
23.05.2007 20:32
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 208
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Daubenblick
Könnte mir jemand rückmelden, ob die Häufung der au-Laute in den Endreimen des ersten Quartetts stilistisch stört - wenn ja, baue ich Z1,4 um, ansonsten würde ich sie gerne belassen.

Vielen Dank im Voraus
LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
23.05.2007 20:38
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Daubenblick
Hallo Friedrich,

das ist ja mal etwas ganz anderes! Diesen Meditativen Zustand zwischen Intuition und Konzentration hast du gut getroffen, ähnlich muß es auch Bogenschützen gehen.

Zu deiner Frage: Mich stören die "au"-Laute nicht; durch das Enjambement ist der Vers gut aufgelockert. Vermutlich würden sie mich etwas stören, wenn mit dem Reim auch die Satzenden zusammenfielen.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
23.05.2007 20:51
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 208
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Daubenblick
Danke ZaunköniG, dann werde ich es dabei belassen.

LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
23.05.2007 20:54
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 463
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Daubenblick
Hallo Friedrich,
dein Sonett gefällt mir sehr gut, auch wenn ich erst mal nachschlagen musste, was eine Daube denn eigentlich ist. Wenn du's also auf Anhieb etwas zugänglicher machen wolltest, könntest du den Titel vielleicht in 'Eisschießen' oder so ändern.

Aber wie Zaunkönig schon sagte, der Stimmungsmoment ist wirklich gut getroffen. Besonders schön und überraschend der Orca.

LG
Silja
23.05.2007 22:36
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 208
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: Daubenblick
Hallo Silja,
freut mich, wenn auch bei dir die Spannung spürbar wird. Deine Anregung bezüglich Titel werde ich noch überdenken, da das Sonett für jemanden "aus dem Fach" geschrieben wurde, andererseits im Sinne einer breiteren Zugänglichkeit es wohl überlegenswert wäre. Ist der Stocksport, wie bei uns in den Alpenländern, bei euch auch ein Thema? Wenn ja, wohl eher nur in Form von Curling.
LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
24.05.2007 08:34
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.616
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Daubenblick
Hallo Friedrich,

ohne die Kommentare hätte mich dein Sonett gleich in der ersten Zeile rausgehauen. Ich kenne Daube nur in Verbindung mit Fässern.

Für ein breiteres Publikum wäre ein Hinweis, möglicherweise in der Überschrift nicht schlecht.

Stilistisch gesehen gefallen mir die Quartette besser. Die haben mehr Lesefluss, in den Terzetten sind mir die mit "sie" und "nie" endenden Zeilen zu hart.
Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
24.05.2007 20:56
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
*

Beiträge: 208
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #8
RE: Daubenblick
Danke sneaky,

auch noch deine Bedenken bezüglich Titel lassen mich jetzt endgültig nach einem neuen Titel suchen. Mal schauen... Zum Fluss in den verschiedenen Abschnitten war meine Intention, den sich verlangsamenden Schuss, bis der Stock im Idealfall genau vor der Daube zum Stehen kommt, auch im Sprachfluss deutlich durchklingen zu lassen. Die harten i-Reime stoppen, denn sollte die Daube mitgenommen werden (unversehentlich oder um seiner Mannschaft einen strategischen Vorteil zu verschaffen), dann darf sie keinesfalls über die Grenzen des relativ kleinen Zielfeldes hinaus geschoben werden. Der schuss wird, im Gegensatz zu vielen anderen Schussarten im Ziel völlig zurückgenommen, ohne seine eigentliche Energie entfalten zu können. Das war hier das etwas kniffelige Unterfangen. Aber ich werde es mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
24.05.2007 22:57
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