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John Keats - "On the Sea"
Salamandra Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 48
Registriert seit: Jun 2007
Beitrag #1
GB John Keats - "On the Sea"
On the Sea
by John Keats

It keeps eternal whispering around
Desolate shores, and with its mighty swell
Gluts twice ten thousand caverns, till the spell
Of Hecate leaves them their old shadowy sound.

Often 'tis in such gentle temper found,
That scarcely will the very smallest shell
Be moved for days from whende it sometime fell,
When last the winds of heaven were unbound.

Oh ye! who habe your eye-balls vex'd and tired,
Feast them upon the wideness of the Sea;
O ye! whose ears are dinn'd wirh urroar rude,

Or fed too much with cloying melody, -
Sit ye near sime old cavern's motuh, and brood
Until ye start, as if the sea-nymphs quired!


An das Meer
(Nach John Keats, Nachdichtung von Ilka Lohmann, a.k.a. Salamandra)

Umspülst die fernsten Inseln dieser Welt,
die tiefsten Grotten unbekannter Strände,
so bäumen sich die Wellen ohne Ende,
bis Hekates Verwünschung von dir fällt.

So hebst die kleinste Muschel du vom Grunde,
die manches Jahr sich in der Tiefe barg,
und trägst sie fort, wenn sich so wild und arg
die Stürme stürzen aus des HImmels Schlunde.

Oh Ihr, sind Eure Augen müd vomnm schauen,
so richtet Eure Blicke auf die Wellen,
die ewig wandelbar ins Weite fließen!

Ist Euer Ohr erfüllt vom lauten Grauen,
so lauschet, wie im wogenden Zerschellen
der Nymphen Lieder euch entgegenfließen.

Gliding o'er all, through all,
Throug Nature, Time, and Space,
As a Ship on the waters advancing,
The voyage of the soul - not life alone,
Death, many deaths I'll sing.
(Walt Whitman)
10.06.2007 14:08
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: John Keats - "On the Sea"
Hallo Salamandra,

Übersetzen kannst du also auch; dann bist du ja ein doppelter Gewinn für das Forum!

Deine Nachdichtung ist formal gelungen, bis auf den Reimwechsel in den Quartetten. Den Vierfachreim kann ich aber selbst nur in den seltensten Fällen halten. Inhaltlich hast du dir allerdings einige Freiheiten genommen.

Den Titel würde ich eher "Auf See" interpretieren. "An das Meer" ist für mich etwas zu distanziert, aber das ist vielleicht auch Haarspalterei.

Hekate kenne ich als Göttin, bzw als Titanin, Herrscherin in der Unterwelt, allerdings als Positive Figur wie Persephone. Ich bin in der Griechischen Mythologie nicht so ganz zu hause, aber eine Verwünschung sehe ich nicht. Vielleicht kannst du mich darüber aufklären.

Gewagt finde ich das "Grauen" in der letzten Terzine. Zwar gibt mein Dix für "cloy" auch "anekeln" her, aber ich denke, so negativ wertend ist das hier nicht gemeint. Das Ohr ist hier wohl nur "erfüllt" vielleicht auch "übervoll".



Nun hoffe ich, daß dich meine Kritik nicht verschreckt. Ich denke ein gutes Grundgerüst hast du, und vielleicht stehe ich ja auch selbst auf dem Schlauch.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
10.06.2007 14:44
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Salamandra Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 48
Registriert seit: Jun 2007
Beitrag #3
RE: John Keats - "On the Sea"
Lieber Zaunkönig!

Danke für deinen Kommentar.

Ich habe lange überlegt, ob "Auf See" oder "An die See" bzw. "An das Meer" eine korrekte Übersetzung für "On the Sea" wäre, aber da andere Gedichte von Keats "On Leigh Hunt's Poem..." oder "On a Picture of Leander" heißen, hielt ich für "An das Meer" durchaus akzeptabel.

An den Vierfachreim habe ich mich gar nicht erst herangewagt. Da bin ich ehrlich. Die englische und die italienische Sprache haben einfach vielmehr Reime als die Deutsche Sprache, vielmehr Worte mit ähnlichem Klang.

Das Grauen verursacht mir noch immer Grübelei. Einerseits paßt es zum "Schauen" als Reimwort, andererseits schießt es wirklich am eigentlichen Sinne von Keats vorbei. Die einzige Möglichkeit, dieses Problemes Herrin zu werden, wäre, die ganzen Terzette neu zu formulieren.

Nun, das Übersetzen von Gedichten ist ein recht neuer Zeitvertreib für mich. Ich habe es seit einiger Zeit gelegentlich getan, aber jetzt ist mit bewußt geworden, daß darin eine starke Inspirationsquelle für meine eigentliche dichterische Arbeit liegt.
Dein Kommentar ermutigt mich, in diese Richtung weiterzugehen. Ich hege eine besondere Vorliebe für die englischen Romantiker, und die sind ja eine unerschöpfliche Tiefe der Poesie.

Viele Grüße und vielen Dank,
Salamandra

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(Walt Whitman)
10.06.2007 14:57
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: John Keats - "On the Sea"
Hallo salamandra,

Salamandra schrieb:Ich hege eine besondere Vorliebe für die englischen Romantiker, und die sind ja eine unerschöpfliche Tiefe der Poesie.

Dann kommt es dir sicher gelegen, daß wir (Silja und ich) gerade für eine Anthologie mit Sonetten englischer Romantiker sammeln (und eine mit viktorianischen Sonetten)

Ich kenne ja nun noch nicht viel von dir, aber ich denke schon, daß du in der Lage bist eine Druckreife Übersetzung abzuliefern, und die angesprochenen Mängel in diesem Sonett sind ja auch nicht so gravierend, daß sie sich nicht beheben ließen.


Daß Übersetzungen eine gute Inspirationsquelle sind, da kann ich dir nur beipflichten. Zwar haben wir auch hervorragende deutsche Dichter, aber man setzt sich beim Übersetzen / Nachdichten ja zwangsläufig viel intensiver mit dem Text auseinander, als beim einfachen Lesen.


Zurück zu deinem Text:

vielleicht läßt sich mit "schauen / brauen" was machen? Dann müßtest du nicht alles umbiegen.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
11.06.2007 10:30
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Silja Offline
Eleve
****

Beiträge: 463
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: John Keats - "On the Sea"
Hallo Salamandra,
in der Tat ein vielversprechender Einstand und ein sehr schönes Sonett, das du da ausgesucht hast.

Was mir bei deiner Übertragung als erstes auffiel, ist, dass du das Meer direkt ansprichst, während Keats ja in der dritten Person "darüber" spricht. Und so ist meiner Ansicht nach auch der Titel zu verstehen "Über das Meer", wobei ich dein "an das Meer" im Rahmen der übersetzerischen Freiheit aber akzeptieren würde.

An anderen Stellen finde ich es dagegen etwas zu frei übersetzt, wenn ich ganz ehrlich bin, das geht da schon fast in Richtung Aneignung. Und wir haben uns hier schon oft gemeinsam gewundert, wie nah man meistens wirklich herankommen kann.

Dies ist allerdings weniger als Kritik, sondern eher als Anregung zu verstehen.

Auch ich würde mich freuen, hier einen weiteren einigermaßen regelmäßig auftretenden Übersetzer zu sehen.

Gruss
Silja
11.06.2007 13:44
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.616
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: John Keats - "On the Sea"
Hallo Salamandra,

zaunkönig und silja haben es schon angemerkt, dass einige Freiheiten in dem Text sind. Das ist keine Sünde, beim Übersetzen kann man schon mal mitgezogen werden.

Meine Lesart des ersten Quartetts geht aber anders als deine "Freiheit".

Hekate hat das Meer nicht verwünscht, sondern ich lese das so:
Das Meer überschwemmt "glut im Sinne von überfrisst" einige tausend Grotten, bis der Zauber der Hekate den ursprünglichen Zustand wieder herstellt und die Grotten wieder in dunkle Einsamkeit versetzt. Da Hekate die Göttin der Zauberkunst und Nekromantie ist, scheint mir das im Kontext passend.

Im zweiten Quartett wird die Muschel meiner Lesart nach nicht bzw. kaum bewegt, obwohl Stürme getobt haben.

Das cloy in den Terzetten würde ich als "übersüß" versuchen zu übersetzen. Zuckersüße Lieder, die das Ohr verklebten oder so in der Art.

Es ist natürlich einfach, auf Stellen hinzuweisen, ohne selbst übersetzt zu haben. Ich möchte nur auf meine Lesart hinweisen. Ob die nun zutrifft, steht wieder auf einem anderen Blatt. Hier sind schon öfters Diskussionen gelaufen, wie die eine oder andere Stelle aufgefasst werden soll / muss.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
11.06.2007 22:22
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Salamandra Offline
Federgewicht
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Beiträge: 48
Registriert seit: Jun 2007
Beitrag #7
RE: John Keats - "On the Sea"
Ich bin ehrlich und sage, daß ich, wenn ich ein Gedicht ins Deutsche übersetze, was ich nicht professionell tue, eher Nachdichtungen als korrekte Übertragungen im Sinn habe.
Ich versuche, irgendwie die Stimmung, das Gefühl zu erfassen, welches den Dichter zum Schreiben bewogen hat, und versuche dann, es mit meinen eignenen Versen wiederzugeben. Das ist die Art Authentizität, nach der ich hier strebe.

Ich freue mich sehr über eure Worte und eure Diskussion. Das spornt mich an. Einiges habe ich mir noch vorgenommen. Ich sehe dahinter auch die künstlerische Herausforderung. Ich glaube, das Üben einer dichterischen Form durch Übertragung und Nachdichtung ist sinnvoller, als Zeilen nur um des Reimes willen zusammenzufügen.

@Sneaky: Ich finde für "cloy" nur Übersetzungen, die in Richtung "widerlich" und "ekelhaft" gehen. Trotzdem weiß ich, daß "Grauen" an dieser Stelle das falsche Wort ist.

Wie wäre es denn mit der Zeile:
"Ist dein Ohr voll von garst'ger Töne Grauen...."

Die letzten beiden Zeilen sind übrigens meine Lieblingsstelle.

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(Walt Whitman)
12.06.2007 11:07
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Salamandra Offline
Federgewicht
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Beiträge: 48
Registriert seit: Jun 2007
Beitrag #8
RE: John Keats - "On the Sea"
@Zaunkönig:
Ich fühle mich geehrt durch deinen Vorschlag. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, druckreif zu übersetzen. Ich bin eher Laie und Autodidaktin auf diesem Gebiet. Aber wir wachsen mit unseren Aufgaben, und ich will es gern als Herausforderung annehmen.
Eine Sonette gibt es doch, die mich sehr ansprechen, und deren Übertragung ich mir vorgenommen habe.

@Silja:
Da ich in der Übersetzung eine Quelle der Inspiration hege, hoffe ich, daß es der Fall sein wird und ich regelmäßig solche Texte hier hineinsetzen werde.

Ich danke euch allen für Eure Kommentare.


Salamandra

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(Walt Whitman)
12.06.2007 11:12
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