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Stefan George: Shakespears Sonette
Salamandra Offline
Federgewicht
*****

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Registriert seit: Jun 2007
Beitrag #1
Stefan George: Shakespears Sonette
Das Buch, welches ich hier vorstellen möchte, ist einer meiner liebsten Gedichtbände.

William Shakespeare: Sonnets/Sonnette
Deutsch von Stefan George

(Erscheinen im Carl Schünemann Verlag, Bremen,1989)

Georges Übersetzungen von Shakespears Sonetten ist nicht unumstritten, aber dieses durchaus zu Unrecht. Meiner Ansicht nach zählen seine Übertragungen zu den Besten.
Als großer Meister goldener Töne war George wie kein anderer zu dieser Aufgabe berufen. Und er hat diese Gedichte nicht nur übersetzt, er hat sich ihrer angenommen und sich jede einzelne Zeile zu eigen gemacht.
Durch den Zauber der Poesie fällt die Mauer der Jahrhunderte, und die beiden großen Dichter werden eins. Shakespeares unsterbliche Liebe wird gleichsam zu Georges Liebe. Jedes Wort ist eine Blume und eine Flamme zugleich.
Shakespeares Stimme bleibt auch weiterhin in den Zeilen zu hören, doch Georges Poesie klingt im Duet dazu und vergrößert, ja erweitert die Shakespearschen Gesänge.

Das soll an einigen Texten dagelegt werden, die ich aber nur auf Deutsch wiedergeben werde.



Sonett XLIII


Mein auge sieht am besten - schliesst es sich -
Da es sich tags an nichtige dinge wendet.
Doch - schlaf ich - blickt in träumen es auf dich -
Ist nächtig-hell - hell in die nacht gesendet.

Denn du - dess schatten hell durch schatten bricht -
Wie machte deines schattens form erst froh
Den klaren tag durch dein viel klarer licht -
Glänzt schon geschlossnem aug dein schatten so!

Wie - sag ich - wär das auges glück erst gross
Wenn es dich sähe im lebendigen tag -
Da schon in toter nacht dein schatten bloss
Durch schweren schlaf vor blinden augen lag.

Tag ist wie nacht zu sehn eh ich ich sah -
nacht heller tag - bringt dich der traum mir nah.



Sonett XVIII


Soll ich vergleichen einem sommertage
Dich der du lieblicher und milder bist?
Des maien teure knospen drehn im schlage
Des sturms und allzu kurz ist sommers frist.

Des himmels aug scheint manchmal bis zum brennen -
Trägst goldne farbe die sich oft verliert -
Jed schön will sich vom schönen manchmal trennen
Durch zufall oder wechsels lauf entziert.

Doch soll dein ewiger sommer nie ermatten:
Dein schönes sei vor dem Verlust gefeit.
Nie prahle Tod - du ginst in seinem schatten...
In ewigen reimen ragst du in die Zeit.

Solang als menschen atmen - augen sehn
Wird dies und du der darin lebt bestehn.

Gliding o'er all, through all,
Throug Nature, Time, and Space,
As a Ship on the waters advancing,
The voyage of the soul - not life alone,
Death, many deaths I'll sing.
(Walt Whitman)
22.06.2007 14:04
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