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Vergebens
renerpho Offline
Federgewicht
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Beiträge: 52
Registriert seit: Oct 2007
Beitrag #1
Vergebens
Im Land, das scheu sich jedem Blick entzieht,
Dort wo Struktur das Licht in Farben spaltet
Hat sich bei Abendröte stumm ein Lied,
Ein bunter Klang wie aus dem Nichts entfaltet.

Und als er aufbrach, stand in voller Blüte
Für einen Augenblick er still im Glanz
Und zehrte doch zu schnell von seiner Güte,
Noch als er sich erhob, empor zum Tanz.

Ein letztes Mal noch, bald, hob er die Schwinge –
Und versank. Wer hätte es gedacht?
Was träumt ein Klang, wenn nicht: gedacht zu werden?

Dass einmal nur sein Lied nicht unterginge
Im großen Ozean, in schwarzer Nacht, -
Dies wünscht er mehr als alles sich auf Erden.
27.10.2007 04:45
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.002
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Vergebens
Hallo renerpho,

Auch von mir Herzlich Willkommen im Club.

Thematisch kommt mir dieses Sonett sehr entgegen, aber an einigen Stellen bin ich ins Stocken geraten:

Ein Lied besteht aus einer Klangfolge, ein bunter Klang ist für mich eher, wenn sicch Klänge überlagern. Die Begriffe direkt synonym füreinander zu verwenden halte ich daher für keine so gute Lösung. Zudem hatte ich beim Lesen auch erwartet, daß es mit dem Lied weitergeht: "Und als ES aufbrach..." ect. Grammatikalisch kann man sich natürlich auch auf den Klang beziehen, aber vielleicht kann man so eine Stolperstelle auch vermeiden (oder geht es nur mir so?).

In Zeile 9 irritiert mich das "bald", was sich normalerweise auf etwas nahe zukünftiiges bezieht; du beziehst dich aber auf die Vergangenheit.

"Was träumt ein Klang, wenn nicht: gedacht zu werden?"

Mag sein, daß ich deine Intention völlig verfehlt habe, aber "gedacht zu werden" ist mir hier zu verkopft. Ich würde meinen, ein Klang wünscht sich "erhört zu werden"

Die Schlußzeile finde ziemlich schwach. Hier und da braucht es mal ein paar Silben um die Form zu füllen, aber gerade am Ende sollte nochmal eine interessante Wendung kommen oder eine Präzisierug der Aussage. Eine bereits getroffene Aussage nochmal im Superlativ zu wiederholen mag mitten im Text noch durchgehen, aber nicht am Schluß.


Mit konkreten Vorschlägen halte ich mich zunächst mal zurück, aber es sind ja keine größeren Operationen nötig.


LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
27.10.2007 16:11
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renerpho Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 52
Registriert seit: Oct 2007
Beitrag #3
RE: Vergebens
Hallo ZaunköniG,

Danke für den Willkommensgruß Wink.
Dass dir das Sonett thematisch entgegenkommt, freut mich sehr. Meinst du damit, dass es dich thematisch anspricht, oder wolltest du sagen, dass du selbst thematisch Verwandtes zu Papier gebracht hast?
Ok... Die Stellen, an denen du ins Stocken gerietst, kann ich im großen und ganzen nachvollziehen... Ich will mal versuchen meine Version zu verteidigen...
Du hast schon gesagt: Ein Lied ist eine Klangfolge; ein bunter Klang die Überlagerung von Klängen. Deiner Ansicht nach benutze ich beide problematischerweise synonym... Das kann man so sehen... Man kann den zweiten Ausdruck wohl auch als Konkretisierung des ersten betrachten, das muss aber gar nicht sein... Wenn du mal in die Zeile darüber schaust: Dort geht es um Struktur, welche Licht in Farben aufspaltet. Ist dir die Dualität klar zwischen dem Lied, welches eine Folge von Klängen ist bzw. dem bunten Klang als Überlagerung von Einzelklängen, und diesem Licht, welches gebrochen wird?
Das grammatikalische Geschlecht zu ändern (von "er" nach "es") halte ich für problematisch... Ich beziehe mich auf den Klang, nicht auf das Lied... Was eventuell nützlich wäre, wäre ein Umbau, der diesen Bezug unangetastet lässt, aber der zumindest die Stolperstelle vermeidet... Mir fällt bis dato nichts rechtes ein...
Das "bald" in Zeile 9 irritiert... hm... Dass sich das i.A. auf etwas nahe Zukünftiges bezieht, ist natürlich unbestreitbar. Aber das tut es hier auch, in Bezug auf den Satz zuvor...

"Was träumt ein Klang, wenn nicht: gedacht zu werden?" - In der Tat, hier verfehlst du meine Intention... Das mag verkopft erscheinen und ist es wohl auch... Aber das widerstrebt mir (und dem, worum es mir geht) nicht.

Oh weh, die Schlusszeile... Jaja... Da kann ich deine Ansicht nur teilen und mich zutiefst ärgern darüber, bisher nichts besseres gefunden zu haben. Vorschläge vielleicht, was das angeht? (Ich versuche, das auf meine Intention hinzubiegen, wenn es mir nicht passt... Aber das ist allgemein schwierig... Viel Spielraum habe ich nicht.)

Hoffe, es wird noch Wink

Schöne Grüße,
renerpho
31.10.2007 01:42
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.002
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Vergebens
Hallo Rene R. Pho

Zitat:Meinst du damit, dass es dich thematisch anspricht, oder wolltest du sagen, dass du selbst thematisch Verwandtes zu Papier gebracht hast?

Was man so alles verwandt nennt... Aber schau dich einfach mal etwas im Forum um. Hierzu vielleicht meine Tenzone mit Don Quixote "Das ganze Bild" unter 'Widerwortiges'

Zitat:Ist dir die Dualität klar zwischen dem Lied, welches eine Folge von Klängen ist bzw. dem bunten Klang als Überlagerung von Einzelklängen, und diesem Licht, welches gebrochen wird?

Bei einem bunten Klang sind die einzelnen Klänge zur gleichen Zeit überlagert, wie bei deinem Beispiel von gebrochenem Licht. Ein Lied würde in deiner Analogie eher einem Feuerwerk entsprechen.

Zitat:"Was träumt ein Klang, wenn nicht: gedacht zu werden?" - In der Tat, hier verfehlst du meine Intention... Das mag verkopft erscheinen und ist es wohl auch... Aber das widerstrebt mir (und dem, worum es mir geht) nicht.

Nun, dann solltest du deine Intention deutlicher machen. Hast du ein platonisches Konzept? Dann würde die Klangidee sich wünschen sich in einem realen Klang zu manifestieren. Aber wie wird umgekehrt ein Schuh daraus?

Zur Schlußzeile: Natürlich ist eine nichtssagende Zeile besser als eine mit falscher Aussage, und man kommt an solchen Füllseln auch nicht immer herum, aber muß es die Schlußzeile sein? Wenn dir partout nichts besseres einfällt würde ich vorschlagen, daß du sie als 12. Zeile verwendest.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.10.2007 13:02 von ZaunköniG.)
31.10.2007 13:01
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renerpho Offline
Federgewicht
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Beiträge: 52
Registriert seit: Oct 2007
Beitrag #5
RE: Vergebens
Hallo ZaunköniG!

Himmel, da hab ich bei aller Neugier, was es hier im Forum neu zu entdecken gibt (hab gern gelesen, auch eure Tenzone hat mir gut gefallen), doch glatt den Beitrag hier vergessen...

"Platonisches Konzept" trifft es ziemlich gut. Ich stellte mirursprünglich den Klang personifiziert vor, etwa wie ein Außenseiter auf einer Party, der auf dem Flur neben dem Mülleimer an die Wand gehockt dasitzt und vergeht. Da ergreift jemand eine Lupe und zoomt hinein, aber am Ende bleibt nichts übrig. Da ist es nicht die Musik, die im Vordergrund steht... Die Musik nämlich ist vorbei, ohne dass wirklich jemand zugehört hätte.


Auf dem Flur
zwischen Musik und Geräusch
wartet ein Klang
auf das Gedachtwerden,
auf das Vergehen.


Ich weiß nicht, ob das sonderlich weiterhilft... Hab auch keine Zeit mehr, Uni ruft... Big Grin
Vielleicht schreib ich heut abend ja noch ein paar Zeilen dazu...

Schöne Grüße,
renerpho

PS: Mein Name ist nicht "Rene", auch wenn das vielleicht naheliegend war... "Daniel" tuts auch. Tongue
13.11.2007 09:42
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