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Charles Baudelaire: A une passante
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ZaunköniG Offline
Syringe
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Beitrag: #1
Frankreich Charles Baudelaire: A une passante
A une passante

La rue assourdissante autour de moi hurlait.
Longue, mince, en grand deuil, douleur majestueuse,
Une femme passa, d'une main fastueuse
Soulevant, balançant le feston et l'ourlet ;

Agile et noble, avec sa jambe de statue.
Moi, je buvais, crispé comme un extravagant,
Dans son oeil, ciel livide où germe l'ouragan,
La douceur qui fascine et le plaisir qui tue.

Un éclair... puis la nuit ! - Fugitive beauté
Dont le regard m'a fait soudainement renaître,
Ne te verrai-je plus que dans l'éternité ?

Ailleurs, bien loin d'ici ! trop tard ! jamais peut-être !
Car j'ignore où tu fuis, tu ne sais où je vais,
Ô toi que j'eusse aimée, ô toi qui le savais !



Vorüber

Ein Lärm war um mich, der sich durch die Straße schob,
als eine Hochgewachsene an mir vorüberschritt,
die, Haltung wahrend, tief an einer Trauer litt
und mit der Hand den rauschend vollen Rocksaum hob.

Wie eine Statue hat sie Bein vor Bein gesetzt;
Ich aber mußte wild verzückt aus ihren Augen
die Sonne eines schwerverhangnen Himmels saugen:
die Süße, die verlockt; die Lust die mich zersetzt.

Ein Blitz, - dann ging die Schönheit in das Dunkel hin,
aus deren Blick ich grade neu geboren bin.
Soll ich dich in der Ewigkeit erst wiedersehen?

Im Irgendwo? Im Irgendwann? Vielleicht auch nie?
Wir wissen voneinander nicht, wohin wir gehen;
Du, die ich lieben könnte, ja - du wußtest wie!


[Bild: 005ccce212bd8ccf03ee1aa7b9fe4e]

[Bild: pageviews=1]

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.06.2010 15:09 von ZaunköniG.)
27.11.2007 22:53
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Silja Offline
Jambini
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag: #2
RE: Charles Baudelaire: A une passante
Hallo Zaunkönig,
ist dir bekannt, dass dieses Sonett bereits vielfach übersetzt worden ist? Z. B. von Stefan George, Walter Benjamin, Wilhelm Hausenstein und Carlo Schmid sowie in "Prosa" von Friedhelm Kemp. Alle diese Versionen sind nachzulesen in "Weltliteratur in deutscher Übersetzung" von Jürgen von Stackelberg, Wilhelm Fink Verlag München, 1978.
Kennst du das?

Du befindest dich mit deiner Übertragung also in bester Gesellschaft - und kannst auch durchaus gut mithalten. Inhaltlich fällt mir lediglich in Zeile 7 und 8 auf, dass es die "Süße" ist, die das Lyrich aus den Augen der Dame trinkt, nicht die Wetter des Himmels. Allerdings hat der Kritiker/Autor des obigen Buches an allen Versionen ziemlich viel auszusetzen und da käme die deine sicher auch nicht ungeschoren davon. Aber man kann es mit der Kritik ja bekanntlich übertreiben und dass er es besser kann, sagt er nicht.

Gruss
Silja
28.11.2007 05:44
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ZaunköniG Offline
Syringe
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Beiträge: 2.540
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag: #3
RE: Charles Baudelaire: A une passante
Hallo Silja,

Dieses Buch kenne ich nicht, habe aber diverse Übertragungen der Blumen des Bösen im Bestand. Da es allessamt gereimte Fassungen sind habe ich mal nicht nachgeschaut, sie hätten mich sicherlich zu sehr beeinflußt. Wie ist denn Kemp abgeschnitten? Eigentlich gilt er als sehr inhaltstreu.

Die Zeilen 7 / 8 werde ich mir nochmal näher anschauen, kann aber noch etwas dauern.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck
28.11.2007 12:41
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ZaunköniG Offline
Syringe
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Beiträge: 2.540
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag: #4
RE: Charles Baudelaire: A une passante
Hallo Silja,

nun hat es doch unerwartet lange gedauert. Irgendwie bin ich ganz über den Text hinweggekommen. Wie ich es verstanden habe, vergleicht Baudelaire hier ihren Blick mit dem schwerverhangenen Himmel. Vielleicht sollte ich die Wetter durch Sonne ersetzen um stimmungsmäßig näher an ein Sommergewitter heranzukommen. Sonst ist wohl auch nicht verständlich woher er die Süße nimmt.

Zum Vergleich die Stelle mal von zwei anderen Übersetzern:

Zitat:Carl Fischer:

Ich aber trank gebannt und gleichsam wie im Wahn
Aus ihren Augen, wie im Himmel ein Orkan,
Die Süße die entzückt, die Lust die Tod bereitet.

Zitat:Wilhelm Niemeyer:

Ihr Blick der Glutglanz eines Tags im Sommer,
Der schon gewittertrunken vorverkündet
Den Feuerrauch der Nacht als lohen Kommer,
Der ihm der Blitze Flammenfest entzündet!

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.05.2010 18:06 von ZaunköniG.)
17.09.2008 12:04
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