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Charles Baudelaire: A une passante
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.998
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #16
RE: Charles Baudelaire: A une passante
Hallo Matthias,

nun zu Deiner Übertragung.

Dem Wortlaut nach hast du dir manche Freiheit erlaubt, die aber an der Grundaussage nichts wesentliches ändern. das kann man so machen. Zur Form sagst du, dass du die reine Form nichts magst, kritisierst mich aber vor allem metrisch? So ganz kann ich deinen Standort noch nicht bestimmen, da braucht es wohl noch mehr Diskusionen an verschiedenen Texten.
Mit den Kunstworten meinst du vermutlich die Komposita, die ich aber nicht so schlimm finde.
Das Tönegrab wirkt etwas gekünstelt, dazu an so prominenter Stelle... auch ist die Eingangszeile metrisch nicht sauber.
Wenn ich die ersten 3 Zeilen vergleiche lautet das beabsichtigte Schema vermutlich

xXxXxX/XxXxXxX

also ein Siebenheber mit Zäsur nach der dritten Hebung.
In Zeile 1 durch Hebungsprall in 2 und 3 durch Komma.

Nun, Lärm alleine wäre eine Starke Silbe. So zusammengesetzt würde ich Strassenlärm aber daktylisch betonen (Xxx) genau wie Tönegrab, also

xXxXxxXxXxXxx

Was zunächst mal elegisch klingt und damit durchaus passend, aber in den Folgezeilen nicht fortgesetzt wird.
Dass du später zwischen 6- und 7-Hebern wechselst stört nicht weiter, die Zeilen laufen dann größtenteils rund.
Schwierig wird es wieder in Zeile 13: Sie besteht nur aus einsilbigen Worten und kann fast beliebig betont werden.

Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
ect...

Die Ringehand gefällt mir ausgesprochen gut, auch wenn sie wie das resultierende Schimmern wohl nicht im Original stehen. Sie beschreibt die Atmosphäre sehr gut.

In Zeile 5 habe ich mühe mit dem "behände". Etymologisch kommt es von Hand. Und auch wenn es gerne im übertragenen Sinne verwendet wird wirkt es seltsam, wenn man damit ausgerechnet Beine beschreibt.

in Zeile 12 wirkt mir "woanders und weit weg" zu schwach. Was hältst du von
"Zu weit entfernt und viel zu spät."?

In der Schlusszeile wird nicht klar was sie denn wusste. (nämlich geliebt werden zu können) stattdessen wirkt die Zeile als Widerspruch zur Vorigen: Weiß sie nun doch wo du bist?

Deine Übertragung hat zweifellos Potential. Es lohnt sich bestimmt, noch etwas daran zu feilen...


Gruß

ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.03.2012 09:50 von ZaunköniG.)
05.08.2011 19:21
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RE: Charles Baudelaire: A une passante - ZaunköniG - 05.08.2011 19:21



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