Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Absolution
Fabian Offline
Armer Poet
*

Beiträge: 61
Registriert seit: Jan 2008
Beitrag #1
Absolution
Was trägt mich eigentlich durch Raum und Zeit?
Wer dreht am Rad, das sich in mir verzahnt?
hat wirklich jemand diese Ambition?

Wo finde ich ein höheres Geleit?
Den Geist, der mich im Vorhinein erahnt.
Bin ich es selbst? Der Rest nur Projektion?

Es ist ein Kreuz mit dieser Religion,
sie salbt mein Sein mit all den Rissen,
wiegt Urvertrauen still im Ungewissen,
und doch ist da ein zäher Zwischenton.

Ach Gott, war ich dir jemals Enkelsohn?
Mein Treueschwur liebkost von Judasküssen;
so oder so: Ich werd dran glauben müssen.
Und eine Seele haben möcht ich schon!

Wenn du ab und zu deinen Blickwinkel änderst, verbessern sich auch deine Perspektiven

Homepage
04.02.2008 15:39
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Silja Offline
Eleve
****

Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Absolution
Hallo Fabian,
dieses Sonett gefällt mir sehr, umso mehr noch, als du am Ende keine Antwort gibst, sondern es bei den Fragen belässt.

Die letzte Zeile sollte nach meinem Gefühl aber unbedingt mit 'denn' beginnen. Meinst du nicht?

Gruss
Silja
05.02.2008 05:06
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Fabian Offline
Armer Poet
*

Beiträge: 61
Registriert seit: Jan 2008
Beitrag #3
RE: Absolution
Erstmal vielen Dank für deine Worte.

Ein "denn" würde aber die Doppeldeutigkeit des "dran glauben müssen" verfälschen, weil sich "denn" nur auf den Glauben bezieht, nicht aber darauf, dass man im Falle des Todes, was ja auch mit "dran glauben müssen" ausgedrückt wird, doch lieber nicht ohne Seele darstehen möchte.

Ich fand, dass diese Zerissenheit, eine höhere Identität haben zu wollen und doch voller Zweifel zu stecken, gerade in diesen letzten Formulierungen passend ausgedrückt wird.
Auch die Einstellung vieler Menschen, dass es nicht so wichtig ist, so lang es ihnen gut geht. Zu Gott findet man oft erst in den Momenten, wenn es einem schlecht geht. Diese Doppelmoral sollte in der Doppeldeutigkeit von "dran glauben müssen" transportiert werden.

Überzeugt dich das?
Ich finde das spannend und wenn du anderer Meinung bist, dann kritisiere, was das Zeug hält. Wink

Gruß, Fabian

Wenn du ab und zu deinen Blickwinkel änderst, verbessern sich auch deine Perspektiven

Homepage
05.02.2008 09:34
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Silja Offline
Eleve
****

Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Absolution
Ah, ja, die "Doppeldeutigkeit" hatte ich beim ersten (und zweiten und dritten) Lesen nicht gesehen, sondern erst jetzt, wo du mich darauf hinweist.
Und auch wenn ich jetzt sehe, wie du es siehst, bin ich nicht sicher, ob ich wohl so ganz überzeugt bin. Ich glaube, das ist so ein Fall, wo man entweder das eine oder das andere, aber nicht beides zusammen sehen kann.
Und für mich steht halt nach den ersten 12 Zeilen des Sonetts das Glauben im Vordergrund, dem dann gefühlsmäßig ein 'denn' folgen müsste.

Aber ich gebe zu, dass dein 'und' auch eine möglich Lesart ist, wenn es dir da vorrangig ums Sterben oder Vergehen geht. Das könntest du mit einem anderen Verb natürlich noch stärker betonen.

Andererseits ist es ja dein Text, und du kannst das halten, wie du willst.

Gruss
Silja
05.02.2008 11:41
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.360
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Absolution
Hallo Fabian,

Mir war diese Doppeldeutigkeit sofort klar. 'Ich werde dran glauben müssen' ist so eine stehende Redewendung, die ich zuerst aufs Sterbenmüssen beziehe, aber durch den vorangegangenen Text eben die Doppeldeutigkeit erhält.

Vielleicht ist diese Redewendung nicht in allen Regionen gleich geläufig? Vielleicht war ich auch durch einen anderen Text besser darauf vorbereitet? Mich erinnert er an eine kürzlich vorgenommene Übersetzung von Hartley Coleridge: "Faith", wo er auch beklagt, daß viele Leute nicht aus überzeugung glauben, sondern aus reiner Not, weil sie nichts besseres finden...

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
05.02.2008 13:41
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste