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Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
ZaunköniG Offline
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Beitrag #12
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo Friedrich,

Ja rhythmisch ist das jetzt besser. Aber nach wie vor irritiert mich der Satzbau:

Die zweite und dritte Zeile bilden grammatikalisch eine Aufzählung von Halbsätzen.
Das 'als' in Zeile Zwei soll offensichtlich Gleichzeitigkeit ausdrücken. Offen bleibt, ob es die erste Zeile mit der Zweiten verbindet, oder die zweite und dritte mit der vierten. Wenn man das ganze Quartett kennt, macht eigentlich nur die Zweite Variante Sinn, aber da der Text nun mal mit ersten Zeile beginnt...
Ich bin auch nach mehrmaligen Lesen versucht falsch zu betonen.
In diesem Fall nicht rhythmisch, sondern was die Satzmelodie betrifft.
ich würde die Erste Zeile mit einem Punkt beenden, Meinetwegen auch mit Doppelpunkt, oder durch einen Gedankenstrich absetzen, aber auf jeden Fall deutlich machen, daß sich zweite/dritte und vierte Zeile inhaltlich näher stehen als erste und zweite.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
11.02.2008 21:11
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #13
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo ZaunköniG,

ich glaube, ich muss mich beim Einsatz meiner Stilmittel etwas zurücknehmen - die Verwirrung, die hier durch die Mehrdeutigkeit des Satzbaus entsteht, war eigentlich beabsichtig, sie sollte die Verwirrung des Mondes karikieren. Nur, wenn Dich das als jemanden aus der Meisterklasse stört, dann hat das doch entsprechendes Gewicht.
Daher mein Vorschlag zur Entschärfung, wobei ich Deine Anregung aufgreife, aber zusätzlich noch das "als" durch "wie" ersetze:

Gebannt lässt ihn ein Hauch der Frau entrücken.
Wie sie behände auf den Eisstoß steigt,
grazil ihm ihre Silhouette zeigt,
ertrinkt er ihr zu Füßen – die Schollen drücken

Was meinst du dazu?

LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
11.02.2008 22:32
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #14
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Ja, so kann ich es dir durchgehen lassen.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
12.02.2008 10:35
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #15
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo ZaunköniG,

ich habe jetzt noch eine Anregung von anderer Seite aufgegriffen:

Den Zungenbrecher "Eisstoß" in Vers 2 habe ich zu "Bollwerk" entschärft, zumal danach wieder ein "st" folgt:
"Wie sie behände auf das Bollwerk steigt,"

Und in Zeile 14 umgestellt:
Von "sie lächelt, sie berührt das alles nicht."
auf "sie lächelt, alles dies berührt sie nicht."

LG Friedrich

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
12.02.2008 20:50
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #16
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo Friedrich,

du meinst Ferdis Anregung?
Ich bin mir nicht sicher ob er den 'Zungenbrecher' meinte oder den Hebungsprall. "Eisstoß steigt" sind im Grunde 3 betonte Silben hintereinander.
Nun also doch das Bollwerk, wo du den Boulevard nicht als solchen verstanden wissen wolltest?

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
12.02.2008 21:04
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #17
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo ZaunköniG,

Ja Ferdis Anregung - du hast Recht, er meinte wohl den Hebungsprall.
Nur Bollwerk bezieht sich auf den Eisstoß, nicht aber auf das ursprüngliche Bild des Boulevards, das für mich der breite zugerforene Strom ist und war. Die Erklärung, die ich dann Fabian gegeben hatte und die ich leider missverständlich in Bezug auf meine Verwendung im Sonett gebraucht habe, bezog sich auf die Wortherkunft. Aber ich könnte mich auch mit Deinem Vorschlag anfreunden, nur geht mir dann in der Zeile der Vokal "au" verloren. Ich ziehe gerne bestimmte Vokale kontrapunktisch in die nächste Zeile mit. Außerdem schafft das "B" in Bollwerk das Gleichgewicht zum "b" in behände (dazu ist es noch Anfangsreim).
Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken.
Was hältst Du von der Wortumstellung in Zeile 14?

LG Friedrich

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Melos Merulae - Friedrich
12.02.2008 21:30
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #18
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo Friedrich,

ich finde, daß die Wortumstellung keinen großen Effekt hat. Du kannst das so oder so schreiben. wenn du Ferdi den Gefallen tun magst ...Big Grin

LG ZaunköniG

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13.02.2008 10:37
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #19
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo ZaunköniG,

ich bin schon an einer anderen Lösung dran. Unsicher bin ich deswegen geworden, weil mir der zweite Teil von Vers 14 von Anfang an formal (nicht inhaltlich) nicht ganz behagt hat. Auch an Zeile 2i bin ich noch dran, da mir formal und klanglich das Aufeinandertreffen der einsilbigen Reimwörter von V2 u. V3 (steigt - zeigt) noch nicht gefallen - damit komme ich schon in die Nähe Deines Vorschlags.
ad "gefallen":
Es geht mir nicht darum, jemanden einen Gefallen zu erweisen. Ich bin dankbar für verschiedene Sichtweisen. Wo ich mich zurücknehmen muss, ist das viel zu schnelle reagieren darauf (das leider zu meinem Naturell gehört, das aber keine Ausrede sein soll und darf).

LG Friedrich

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Melos Merulae - Friedrich
13.02.2008 11:22
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Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #20
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo zusammen,

Ich habe jetzt das IV. Sonett eingestellt und gelichzeitig einen neuen Beitrag im Thread mit den Sonettenkränzen gepostet, wo er auch hingehört.
Meine "Problemstellen" in Sonett III (V2,3/V14) habe ich umformuliert (siehe auch oben).

LG Friedrich

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Melos Merulae - Friedrich
09.03.2008 17:47
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #21
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo Friedrich,

Da du den selben Text bei den Sonettenkränzen und hier gepostet hast, habe ich mir erlaubt einen Link von dort nach hier zu setzen. Es müssen ja nicht beide Texte durch Kommentare zerrissen werden.

Inhaltlich werde ich mich später noch äußern.
LG ZaunköniG

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09.03.2008 18:08
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #22
RE: Auenland (Ein Wintermärchen) - Fragment
Hallo Friedrich,

Zitat:IV.

Sie lacht, sie ruht vergnügt im Gleichgewicht,
die Silberpappel nicht, sie taumelt, offen,
weit aufgerissen klafft, vom Eis getroffen,
geknickt ihr Fuß - den Tod im Angesicht

entweicht ihr Geist - bewusst, befreit, in Würde.
Ein milder Schein erhellt die Szenerie,
sie tritt hervor, erhaben lächelt sie,
bereit - nie war ihr Sterben eine Bürde.

Ein Schnarren, Splittern, eine Pirouette,
der Baum, er stürzt, ein Knacken, Brechen, Licht
erlischt, ein dumpfer Prall, es staubt als hätte

der Wald ihr zugejubelt, eine Schicht
aus Pulverschnee versteckt die Ruhestätte,
nur ihre Finger wippen, grüßen schlicht.


Sehr schön gemacht! Ein nahezu perfektes Sonett, aber da ich dir ja einen Kommentar versprochen hattePfeifen nehme ich mir mal die Terzinen vor:

Wenn ich den Plot richtig verstanden habe, ist es ein auf dem Fluß treibender Eisblock der die Wurzel oder den Fuß der Silberpappel 'knickt'. Wie stelle ich mir die Szene konkret vor? Steht die Pappel so nah am Ufer, wobei die Böschung und damit der Wurzelraum der Pappel vom Eisgang aufgerieben werden? Dann müßte die Pappel eigentlich in den Fluß stürzen. Oder siehst du dort eine überschwemmte Flußlandschaft, so daß der Eisgang die Pappel deutlich über dem Erdboden abknickt? Dem widerspräche aber der 'dumpfe Prall'.

Pulverschnee, oder Schnee überhaupt wir hier zum ersten Mal erwähnt, bisher war nur von einer Reifüberzogenen Landschaft die Rede. Und müßte der Pulverschnee nicht in alle Richtungen auseinanderstieben, wenn so ein Baum fällt, statt sich auf ihn zu legen?
Naja, das war jetzt ein recht langer kommentar für eine Winzigkeit, die mir auffiel. Gesammtnote: Daumen

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.03.2008 20:32 von ZaunköniG.)
11.03.2008 20:24
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