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Auenland (Ein Wintermärchen)
Friedrich Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #1
Auenland (Ein Wintermärchen)
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Auenland
(Ein Wintermärchen)


I. (Meistersonett)

Gebannt lässt ihn ein Hauch der Frau entrücken,
sie lacht, sie ruht vergnügt im Gleichgewicht,
nur ihre Finger wippen, grüßen schlicht,


...

des Nachts streift sie, die Fee, durch Auenland.

II.

Des Nachts streift sie, die Fee, durch Auenland,
sie lockt den Mond mit weichen Seidenschlieren,
und hascht sein Leuchten, lässt es fahl gefrieren
im Strom, der längst tief unter Eis verschwand.

Ein Boulevard, der sich in tausend Schlingen
die Wege gläsern durch den Talgrund bahnt,
Arkadengänge, raubereift, kristallbezahnt,
begleiten und bedrängen ihn, doch zwingen

lässt er, der Fluss sich nicht – er sprengt die Haut
mit lautem Ächzen, Knarren, krümmt den Rücken
voll Wut zum Wall - bis er die Wogen staut.

Klammheimlich suchen sie nach Uferlücken,
der Mond befreit sein Licht, er zittert, schaut,
gebannt lässt ihn ein Hauch der Frau entrücken.


III.

Gebannt lässt ihn ein Hauch der Frau entrücken.
Wie sie im Strom grazil den Stoß besteigt,
kokett ihm ihre Silhouette zeigt,
ertrinkt er ihr zu Füßen – Schollen drücken

und schichten immer höher sich zum Damm
auch tief hinunter tauchen sie, versperren
der Flut den Weg, es stockt, die Wasser zerren
und Platten schrammen in den Uferschlamm,

verkeilen, scheuern, Weidenzweige schwanken
im Schauer feiner Schneekristalle bricht
ein Block entzwei, er kullert, knickt die Ranken,

durch die er berstend mit Getöse sticht,
ein Augenblick der Stille, dann ein Wanken,
sie lacht, sie ruht vergnügt im Gleichgewicht.

IV.

Sie lacht, sie ruht vergnügt im Gleichgewicht,
die Silberpappel nicht, sie taumelt, offen,
weit aufgerissen klafft, vom Eis getroffen,
geknickt ihr Fuß - den Tod im Angesicht

entweicht ihr Geist - bewusst, befreit, in Würde.
Ein milder Schein erhellt die Szenerie,
sie tritt hervor, erhaben lächelt sie,
bereit - nie war ihr Sterben eine Bürde.

Ein Schnarren, Splittern, eine Pirouette,
der Baum, er stürzt, ein Knacken, Brechen, Licht
erlischt, ein dumpfer Prall, es staubt als hätte

der Wald ihr zugejubelt – langsam, Schicht
für Schicht, versinkt im Weiß die Ruhestätte,
nur ihre Finger wippen, grüßen schlicht.



© Friedrich 2008

Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
09.03.2008 17:26
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