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Des Dichters Reise
renerpho Offline
Federgewicht
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Registriert seit: Oct 2007
#1
Des Dichters Reise
Unter Akrobaten schwelt ein Streit,
Buchstabensalat und Reimgestammel.
Knüttelversen ist die Form zu breit.
Klaustrophobe Enge macht mir Bammel.

Untergründig kreist geheimes Wissen,
Sturmpiraten, die sich Flagge hissen.
Limericks verteilen ihre Witze.
Garderoben schütteln sich vor Hitze.

Klassik und Antike mimen Stasis,
Hustenkrämpfe schüttelt ein Katarrh.
Wütigern ist das Sonett zu starr:
Zu gekünstelt schiene die Katharsis.

Shakespeare oder Brecht drehn sich im Kreise
Und im Grab herum. Des Dichters Reise.
04.04.2008, 00:25
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renerpho Offline
Federgewicht
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Beiträge: 52
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Registriert seit: Oct 2007
#2
Keine Kunst
Die Stadt ist einsam; keiner, der gewann.
Ich höre Staub auf Bücherschränke klopfen;
Das Zirpen einer Grille, dann und wann;
Das Rülpsen saurer Gerste, Malz und Hopfen.

Das Dach ist weiß, der Stil ist Biedermann.
Ein Abflussrohr stinkt; keiner zieht den Pfropfen.
Erstarrt. Die braune Masse lacht mich an.
Graues Haar und Hängezitzen tropfen.

Durch die Straßen trottet ein Gespann.
Auf den Gesichtern glänzt die Hasenscharte.
Grüne Giftgaswolken ziehn heran,
Fahler Dunst, der Stoff, der hier verrann.

(Ein falsches Wort – Nicht Art) Denn wem ich harrte,
Ist nicht die Kunst. Ich weiß, worauf ich warte.
04.04.2008, 00:26
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renerpho Offline
Federgewicht
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Registriert seit: Oct 2007
#3
Gehirnschmalz
Ein Teller Nüsse. Kakerlaken walzen.
Beton von unter Tage, Steinbiskuit.
Die Lippe schließt. Wenn Gummipuppen schnalzen,
Wird jeder Atemzug zur Schönberg-Suite.

Ein leises Zischen. Gelb tropft Puderzucker.
Bei Widerstand in Reihe wird addiert.
Die Lüftung dröhnt. Erneuertes Geglucker,
Willkommensgruß, der Denkarbeit halbiert.

Ein explosiver Klang in Fahlaschrosa.
Beschichtungen, Gehirnlackiererei.
Die Lache kreischt. Wo endet meine Prosa,
Wenn ich nicht denke? Denken geht vorbei.

Die Lyrik schreit. Ein scharf gestimmter Schrei.
Wo Prosa bricht, bricht das Gehirn entzwei.
04.04.2008, 00:27
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renerpho Offline
Federgewicht
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Registriert seit: Oct 2007
#4
Halb metaphorisch
Bilder ziehen Bilder in die Länge,
Wurmfortsätze, die sich selbst begatten.
Vollmilchflaschen werfen halbe Schatten.
Zoologen, künstliches Gedränge.

Eisbärfelle schimmern nie zur Gänze.
Kastengriff, der Weg zu Mondraketen,
Kringelschwanz in Telefonpaketen,
Gläser winden sich für Kaffeekränze.

Schraubverschlüsse, die sich rückwärts drehen,
Fensterkästen, die sich missverstehen.
Lampenschirm in Honig, der verebbt.

Licht, gebrochen an gebrannter Mandel,
Strumpfkorsette, dazu Seelenwandel.
Weltgeschichten laufen nach Rezept.
04.04.2008, 00:28
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