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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Aneignungen, Parodien, Kontrafakturen]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 21:22:26 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Die neue Schwester]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=36052</link>
			<pubDate>Mon, 09 Mar 2026 06:01:59 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=36052</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die neue Schwester</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">frei Nach François Coppée</span><br />
<br />
<br />
Wenn nun auch alle um ihr junges Leben klagen,<br />
ihr Gut, und um die Hoffnung, die in sie gesetzt,<br />
kam sie ergeben in das Kloster, sucht hier jetzt<br />
die Ruhe, die noch ausgeht von uralten Tagen.<br />
<br />
Man sieht den Rosenkranz um ihren Rockschoß schlagen,<br />
als sie den Wandrern Kräuter auseinandersetzt,<br />
Die Namen, Pflege, und was gut vor Blähung schützt,<br />
auch das Gewölbe, wo die edlen Weine lagern.<br />
<br />
Und doch; ’ne Blume pflückte sie nach einer Zeit;<br />
Ein Duft der weltliche Erinnerungen trägt,<br />
und drängt, und trotzt der heiligen Gehorsamkeit.<br />
<br />
Sie atmet tief den Duft der Blüte, viele Male,<br />
bis sich zum Abend Frieden ins Gewissen legt,<br />
ihr das Bewußtsein löschend, - eine Weihrauchschale.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die neue Schwester</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">frei Nach François Coppée</span><br />
<br />
<br />
Wenn nun auch alle um ihr junges Leben klagen,<br />
ihr Gut, und um die Hoffnung, die in sie gesetzt,<br />
kam sie ergeben in das Kloster, sucht hier jetzt<br />
die Ruhe, die noch ausgeht von uralten Tagen.<br />
<br />
Man sieht den Rosenkranz um ihren Rockschoß schlagen,<br />
als sie den Wandrern Kräuter auseinandersetzt,<br />
Die Namen, Pflege, und was gut vor Blähung schützt,<br />
auch das Gewölbe, wo die edlen Weine lagern.<br />
<br />
Und doch; ’ne Blume pflückte sie nach einer Zeit;<br />
Ein Duft der weltliche Erinnerungen trägt,<br />
und drängt, und trotzt der heiligen Gehorsamkeit.<br />
<br />
Sie atmet tief den Duft der Blüte, viele Male,<br />
bis sich zum Abend Frieden ins Gewissen legt,<br />
ihr das Bewußtsein löschend, - eine Weihrauchschale.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[wortlos]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25053</link>
			<pubDate>Tue, 20 Dec 2022 08:25:25 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=5413">Theo Breuer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25053</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wortlos</span><br />
<br />
zwei wörter irren unbegrenzterweile<br />
(lassen dranglos unflektiert sich treiben<br />
wollen nichts als sich am andren wort bloß reiben)<br />
zwecklos durch die krüppelige zeile<br />
<br />
ursprünglich ist es ∙ unverfälschtes schnuppern<br />
berühren ∙ blicken ∙ ballen ∙ schweifen<br />
das eine kriegt (natürlich) einen steifen<br />
fängt dicht zu drängen an zu ... tuppern<br />
<br />
das andere fällt rasch auf seinen rücken<br />
bloß so (ahnen sie) kann die begattung glücken –<br />
die da wortwörtlich beieinander liegen<br />
<br />
(zwei kryptomere einsilbige verben)<br />
träumen wie sie ungereimt durch verse fliegen<br />
da greift der dichter ein [sie sterben]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wortlos</span><br />
<br />
zwei wörter irren unbegrenzterweile<br />
(lassen dranglos unflektiert sich treiben<br />
wollen nichts als sich am andren wort bloß reiben)<br />
zwecklos durch die krüppelige zeile<br />
<br />
ursprünglich ist es ∙ unverfälschtes schnuppern<br />
berühren ∙ blicken ∙ ballen ∙ schweifen<br />
das eine kriegt (natürlich) einen steifen<br />
fängt dicht zu drängen an zu ... tuppern<br />
<br />
das andere fällt rasch auf seinen rücken<br />
bloß so (ahnen sie) kann die begattung glücken –<br />
die da wortwörtlich beieinander liegen<br />
<br />
(zwei kryptomere einsilbige verben)<br />
träumen wie sie ungereimt durch verse fliegen<br />
da greift der dichter ein [sie sterben]]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[infinitely-looping song]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25051</link>
			<pubDate>Tue, 20 Dec 2022 08:14:56 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=5413">Theo Breuer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25051</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">infinitely-looping song</span><br />
<br />
konditohren sind eine besondere art menschen<br />
raumflegel sind eine geborene art menschen<br />
irrformatiker sind eine geborene art menschen<br />
teletonisten sind eine besondere art menschen<br />
<br />
installamateure sind eine bewonderte art menschen<br />
kapierer sind eine verlorene art menschen<br />
eklektrickser sind eine verlorene art menschen<br />
refer-enten sind eine bewonderte art menschen<br />
<br />
suchverständige sind ein geschenk des himmels<br />
chirurken sind ein geschenk des himmels<br />
hoteldachleute sind eingedenk des himmels<br />
<br />
ausfresserkind – kleingeschenk des pimmels<br />
anschmeichlerblind : kein geschenk des himmels<br />
frosthirte sind ein gelenk des fimmels]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">infinitely-looping song</span><br />
<br />
konditohren sind eine besondere art menschen<br />
raumflegel sind eine geborene art menschen<br />
irrformatiker sind eine geborene art menschen<br />
teletonisten sind eine besondere art menschen<br />
<br />
installamateure sind eine bewonderte art menschen<br />
kapierer sind eine verlorene art menschen<br />
eklektrickser sind eine verlorene art menschen<br />
refer-enten sind eine bewonderte art menschen<br />
<br />
suchverständige sind ein geschenk des himmels<br />
chirurken sind ein geschenk des himmels<br />
hoteldachleute sind eingedenk des himmels<br />
<br />
ausfresserkind – kleingeschenk des pimmels<br />
anschmeichlerblind : kein geschenk des himmels<br />
frosthirte sind ein gelenk des fimmels]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[du ruchu ∙ dur spruchu ∙ ust dus guducht]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25049</link>
			<pubDate>Mon, 19 Dec 2022 16:44:51 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=5413">Theo Breuer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25049</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">du ruchu ∙ dur spruchu ∙ ust dus guducht<br />
</span><br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">i. m. ernst jandl (1925 - 2000)<br />
</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">du ruchu ∙ dur spruchu ∙ ust dus guducht<br />
</span><br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
da racha ∙ dar spracha ∙ ast das gadacht<br />
de reche ∙ der spreche ∙ est des gedecht<br />
<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
<br />
di richi ∙ dir sprichi ∙ ist dis gidicht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
do rocho ∙ dor sprocho ∙ ost dos godocht<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">i. m. ernst jandl (1925 - 2000)<br />
</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[countdown]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25039</link>
			<pubDate>Mon, 19 Dec 2022 13:33:16 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=5413">Theo Breuer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=25039</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">countdown</span><br />
<br />
sonett in dem es nicht regnet<br />
sonett aus dem es nicht schneit<br />
sonett in dem niemand begegnet<br />
der swonnigen lyrischkeit<br />
<br />
sonett ohne blick in die ferne<br />
sonett taublind ohne licht<br />
verse – verfaß euch so gerne<br />
als gutegeistergedicht<br />
<br />
sonett ohne beben und schweben<br />
kein kanariengrüner reflex<br />
nein – gar nichts kann es dir geben<br />
<br />
drum stirbt’s bereits hier –<br />
hopp + <br />
ex –]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">countdown</span><br />
<br />
sonett in dem es nicht regnet<br />
sonett aus dem es nicht schneit<br />
sonett in dem niemand begegnet<br />
der swonnigen lyrischkeit<br />
<br />
sonett ohne blick in die ferne<br />
sonett taublind ohne licht<br />
verse – verfaß euch so gerne<br />
als gutegeistergedicht<br />
<br />
sonett ohne beben und schweben<br />
kein kanariengrüner reflex<br />
nein – gar nichts kann es dir geben<br />
<br />
drum stirbt’s bereits hier –<br />
hopp + <br />
ex –]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Das 10.Sonett  (für Brecht)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=5240</link>
			<pubDate>Sun, 17 May 2020 23:04:24 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=5240</guid>
			<description><![CDATA[Das 10.Sonett. (für Brecht)<br />
<br />
Wenn mich auch jemand weder schätzt noch liebt,<br />
da sind nicht viele, die geblieben sind,<br />
wünsch ich ihm wen, der ihn zuletzt noch schiebt.<br />
<br />
Es sind, wo einer sieht oft sieben blind,<br />
der Blick verfängt sich hier, verfängt sich dort,<br />
so lange bis zu seinem Ziel er steigt.<br />
<br />
Solang noch einer denkt: - er denkt sich fort,<br />
solange wie Verstand und Stil er zeigt,<br />
solang nur, bis sein Blick beim Wandern irrt.<br />
<br />
Solang, bis er wie alle andern wird,<br />
und nur noch blöd aus seiner Blöße grinnt,<br />
dereinst für Scharfsinn und Elan geehrt.<br />
<br />
Doch eins hat er uns, wie ich ahn, gelehrt:<br />
So mancher wird, bei aller Größe, blind.<br />
<br />
<br />
<br />
<a href="http://www.brecht-notizbuecher.de/content/uploads/bba-10006.027.pdf" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"> DAS ZEHNTE SONETT, Brecht (1925)<br />
Archivdruck, PDF<br />
</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das 10.Sonett. (für Brecht)<br />
<br />
Wenn mich auch jemand weder schätzt noch liebt,<br />
da sind nicht viele, die geblieben sind,<br />
wünsch ich ihm wen, der ihn zuletzt noch schiebt.<br />
<br />
Es sind, wo einer sieht oft sieben blind,<br />
der Blick verfängt sich hier, verfängt sich dort,<br />
so lange bis zu seinem Ziel er steigt.<br />
<br />
Solang noch einer denkt: - er denkt sich fort,<br />
solange wie Verstand und Stil er zeigt,<br />
solang nur, bis sein Blick beim Wandern irrt.<br />
<br />
Solang, bis er wie alle andern wird,<br />
und nur noch blöd aus seiner Blöße grinnt,<br />
dereinst für Scharfsinn und Elan geehrt.<br />
<br />
Doch eins hat er uns, wie ich ahn, gelehrt:<br />
So mancher wird, bei aller Größe, blind.<br />
<br />
<br />
<br />
<a href="http://www.brecht-notizbuecher.de/content/uploads/bba-10006.027.pdf" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"> DAS ZEHNTE SONETT, Brecht (1925)<br />
Archivdruck, PDF<br />
</a>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Goethe: Abschied / Edgar Alfred Bowring: Departure]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=3252</link>
			<pubDate>Fri, 14 Feb 2020 23:08:29 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=3252</guid>
			<description><![CDATA[Und nun wieder mal das Problem:<br />
<br />
Wohin mit dem Text?<br />
<br />
Eigentlich ist es eine Übersetzung, aber in der Logik der bisherigen Rubrikeinteilung wird nicht nach der unmittelbaren Quelle sortiert, sondern nach dem Urtext.<br />
<br />
Der Urtext ist Deutsch....<br />
<br />
Da es bei einer Rückübersetzung nicht um die Textvermittlung des Originals geht, sondern ein eher spielerischer Ansatz verfolgt wird, stelle ich es mal hier ein.<br />
<br />
Die Aufgabe, zunächst ohne das Original zu kennen wurde im Blauen Salon gestellt,<br />
hier stelle ich es mal voran:<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Johann Wolfgang von Goethe</span><br />
1749 -  1832   Deutschland<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abschied</span><br />
<br />
War unersättlich nach viel tausend Küssen –<br />
Und mußt mit einem Kuß am Ende scheiden.<br />
Nach herber Trennung tief empfundnen Leiden<br />
War mir das Ufer, dem ich mich entrissen,<br />
<br />
Mit Wohnungen, mit Bergen, Hügeln, Flüssen,<br />
Solang ichs deutlich sah, ein Schatz der Freuden;<br />
Zuletzt im Blauen blieb ein Augenweiden<br />
An fernentwichnen lichten Finsternissen.<br />
<br />
Und endlich, als das Meer den Blick umgrenzte,<br />
Fiel mir zurück ins Herz mein heiß Verlangen;<br />
Ich suchte mein Verlornes gar verdrossen.<br />
<br />
Da war es gleich, als ob der Himmel glänzte;<br />
Mir schien als wäre nichts mir, nichts entgangen,<br />
Als hätt ich alles, was ich je genossen.<br />
 <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Edgar Alfred Bowring </span><br />
1826 - 1911 Großbritannien<br />
<br />
<br />
DEPARTURE<br />
<br />
WITH many a thousand kiss not yet content,<br />
At length with One kiss I was forced to go;<br />
After that bitter parting's depth of woe,<br />
I deem'd the shore from which my steps I bent,<br />
<br />
Its hills, streams, dwellings, mountains, as I went,<br />
A pledge of joy, till daylight ceased to glow;<br />
Then on my sight did blissful visions grow<br />
In the dim-lighted, distant firmament,<br />
<br />
And when at length the sea confined my gaze,<br />
My ardent longing fill'd my heart once more;<br />
What I had lost, unwillingly I sought.<br />
<br />
Then Heaven appear'd to shed its kindly rays:<br />
Methought that all I had possess'd of yore<br />
Remain'd still mine--that I was reft of nought.<br />
<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ZaunköniG</span><br />
*1972 Deutschland<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abschied</span><br />
<br />
Viel tausend Küsse ich noch nicht bekam,<br />
bekam nur einen Kuss, bevor ich gehe.<br />
Nun, nach des bittern Abschieds Ach und Wehe,<br />
ich rückblickend den weiten Strand vernahm,<br />
der sich vor Hügeln, Häusern, Bächen zieht;<br />
Ein Glücksquell, bis das Tageslicht verschwunden.<br />
Dort: Traumgebilde hat mein Blick gefunden<br />
am sternenübersäten Nacht-Zenit.<br />
<br />
Die Sehnsucht füllte heiß mein Herz erneut,<br />
als meine Blicke selbst das Meer durchmessen,<br />
hab ich gesucht, was ich verlorn geglaubt.<br />
<br />
Dann hat der Himmel seinen Glanz gestreut:<br />
Ich sah, dass alles was ich einst besessen,<br />
noch immer mein war. - Nichts war mir geraubt.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Und nun wieder mal das Problem:<br />
<br />
Wohin mit dem Text?<br />
<br />
Eigentlich ist es eine Übersetzung, aber in der Logik der bisherigen Rubrikeinteilung wird nicht nach der unmittelbaren Quelle sortiert, sondern nach dem Urtext.<br />
<br />
Der Urtext ist Deutsch....<br />
<br />
Da es bei einer Rückübersetzung nicht um die Textvermittlung des Originals geht, sondern ein eher spielerischer Ansatz verfolgt wird, stelle ich es mal hier ein.<br />
<br />
Die Aufgabe, zunächst ohne das Original zu kennen wurde im Blauen Salon gestellt,<br />
hier stelle ich es mal voran:<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Johann Wolfgang von Goethe</span><br />
1749 -  1832   Deutschland<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abschied</span><br />
<br />
War unersättlich nach viel tausend Küssen –<br />
Und mußt mit einem Kuß am Ende scheiden.<br />
Nach herber Trennung tief empfundnen Leiden<br />
War mir das Ufer, dem ich mich entrissen,<br />
<br />
Mit Wohnungen, mit Bergen, Hügeln, Flüssen,<br />
Solang ichs deutlich sah, ein Schatz der Freuden;<br />
Zuletzt im Blauen blieb ein Augenweiden<br />
An fernentwichnen lichten Finsternissen.<br />
<br />
Und endlich, als das Meer den Blick umgrenzte,<br />
Fiel mir zurück ins Herz mein heiß Verlangen;<br />
Ich suchte mein Verlornes gar verdrossen.<br />
<br />
Da war es gleich, als ob der Himmel glänzte;<br />
Mir schien als wäre nichts mir, nichts entgangen,<br />
Als hätt ich alles, was ich je genossen.<br />
 <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Edgar Alfred Bowring </span><br />
1826 - 1911 Großbritannien<br />
<br />
<br />
DEPARTURE<br />
<br />
WITH many a thousand kiss not yet content,<br />
At length with One kiss I was forced to go;<br />
After that bitter parting's depth of woe,<br />
I deem'd the shore from which my steps I bent,<br />
<br />
Its hills, streams, dwellings, mountains, as I went,<br />
A pledge of joy, till daylight ceased to glow;<br />
Then on my sight did blissful visions grow<br />
In the dim-lighted, distant firmament,<br />
<br />
And when at length the sea confined my gaze,<br />
My ardent longing fill'd my heart once more;<br />
What I had lost, unwillingly I sought.<br />
<br />
Then Heaven appear'd to shed its kindly rays:<br />
Methought that all I had possess'd of yore<br />
Remain'd still mine--that I was reft of nought.<br />
<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ZaunköniG</span><br />
*1972 Deutschland<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abschied</span><br />
<br />
Viel tausend Küsse ich noch nicht bekam,<br />
bekam nur einen Kuss, bevor ich gehe.<br />
Nun, nach des bittern Abschieds Ach und Wehe,<br />
ich rückblickend den weiten Strand vernahm,<br />
der sich vor Hügeln, Häusern, Bächen zieht;<br />
Ein Glücksquell, bis das Tageslicht verschwunden.<br />
Dort: Traumgebilde hat mein Blick gefunden<br />
am sternenübersäten Nacht-Zenit.<br />
<br />
Die Sehnsucht füllte heiß mein Herz erneut,<br />
als meine Blicke selbst das Meer durchmessen,<br />
hab ich gesucht, was ich verlorn geglaubt.<br />
<br />
Dann hat der Himmel seinen Glanz gestreut:<br />
Ich sah, dass alles was ich einst besessen,<br />
noch immer mein war. - Nichts war mir geraubt.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[To Mr. R.P]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4749</link>
			<pubDate>Sat, 08 Dec 2018 23:20:15 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4749</guid>
			<description><![CDATA[To Mr. R.P.<br />
<br />
Soll ich dein Antlitz, wenn ich schriebe, liften?<br />
Ist Glück, das wir errangen, zu beweisen?<br />
Nicht Facebooks Glamour kennt der Liebe Schriften,<br />
wie lieb ichs, deine Wangen zu bereisen!<br />
<br />
Ist über Sterne, wenn du blickst, zu schreiben,<br />
die hoch als Funken überm Land zerstieben?<br />
Kein fixes Bild, das du erschrickst, zu bleiben:<br />
Für dich will ich mir den Verstand zerlieben!<br />
<br />
Wir tasten uns verloren vor zu Thesen,<br />
ich hätte, wenn ich schriebe, einzulenken,<br />
und Liebe nie Lektoren vorzulesen,<br />
die drohen, unsre Liebe einzuschränken.<br />
<br />
Nein, Liebe schlägt ganz andre Zeichenwellen,<br />
als die im Kern der grauen, weichen Zellen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[To Mr. R.P.<br />
<br />
Soll ich dein Antlitz, wenn ich schriebe, liften?<br />
Ist Glück, das wir errangen, zu beweisen?<br />
Nicht Facebooks Glamour kennt der Liebe Schriften,<br />
wie lieb ichs, deine Wangen zu bereisen!<br />
<br />
Ist über Sterne, wenn du blickst, zu schreiben,<br />
die hoch als Funken überm Land zerstieben?<br />
Kein fixes Bild, das du erschrickst, zu bleiben:<br />
Für dich will ich mir den Verstand zerlieben!<br />
<br />
Wir tasten uns verloren vor zu Thesen,<br />
ich hätte, wenn ich schriebe, einzulenken,<br />
und Liebe nie Lektoren vorzulesen,<br />
die drohen, unsre Liebe einzuschränken.<br />
<br />
Nein, Liebe schlägt ganz andre Zeichenwellen,<br />
als die im Kern der grauen, weichen Zellen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gedanken zu Differenzierung, Rue D'Avron (Houellebecq)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4737</link>
			<pubDate>Thu, 29 Nov 2018 22:44:58 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4737</guid>
			<description><![CDATA[Differenzierung, Rue D'Avron <br />
Original siehe geschlossenes Forum, Übersetzung von Zaunkönig.<br />
<br />
mit Ideen von Houellebecq:<br />
Differenzierung, Rue D'Avron<br />
<br />
Dein zweiter Schlüssel, deine Uhr, die Flasche,<br />
und ein Kondom von dir, das kleine Leben.<br />
Im Becher Kippen und im Flur die Asche:<br />
Und ich bleib wieder mal alleine kleben.<br />
<br />
Begehrenswert warst du wie heute, Babe,<br />
als wir in unsre jungen Spalten fielen.<br />
Wer glaubte, dass ich dich als Beute heb,<br />
bis um dein Lächeln längst die Falten spielen.<br />
<br />
Ein Schatten unsrer langen Reisen klebt<br />
uns heut in unrasierten, grauen Bärten.<br />
Doch wer in etablierten Kreisen lebt,<br />
der findet auch in grauen Brauen Gärten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Differenzierung, Rue D'Avron <br />
Original siehe geschlossenes Forum, Übersetzung von Zaunkönig.<br />
<br />
mit Ideen von Houellebecq:<br />
Differenzierung, Rue D'Avron<br />
<br />
Dein zweiter Schlüssel, deine Uhr, die Flasche,<br />
und ein Kondom von dir, das kleine Leben.<br />
Im Becher Kippen und im Flur die Asche:<br />
Und ich bleib wieder mal alleine kleben.<br />
<br />
Begehrenswert warst du wie heute, Babe,<br />
als wir in unsre jungen Spalten fielen.<br />
Wer glaubte, dass ich dich als Beute heb,<br />
bis um dein Lächeln längst die Falten spielen.<br />
<br />
Ein Schatten unsrer langen Reisen klebt<br />
uns heut in unrasierten, grauen Bärten.<br />
Doch wer in etablierten Kreisen lebt,<br />
der findet auch in grauen Brauen Gärten.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Barnabe Barnes  - A blast of wind, a momentary breath]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4729</link>
			<pubDate>Sun, 18 Nov 2018 11:54:50 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4729</guid>
			<description><![CDATA[Ein Windhauch, kurzer Atem greiser Luft,<br />
die Luft in einer kleinen Wasserblase,<br />
ein Augenblick, Gebein in leiser Gruft,<br />
ein halbverdorrter Strauß in blasser Vase,<br />
<br />
der Morgentau, der frisch vom Grase lief<br />
und fürchtete, dass schon die Sonne winkt,<br />
der Gast, der nach dem letzten Glase rief,<br />
die treue Muse, die mit Wonne singt,<br />
<br />
die Stimme, die, sobald vernommen, schwand,<br />
die Zeit, die ziellos ihre Wellen schreibt<br />
der Film, den man zu recht verschwommen nannt,<br />
der Lack, der sich schon von den Schwellen reibt: <br />
<br />
Der Mensch, der sich ins Leben heiß verkrallt,<br />
das, kaum erblüht, in kleinem Kreis verhallt.<br />
<br />
<br />
A blast of wind, a momentary breath,<br />
A wartery bubble symbolized with air,<br />
A sun-blown Rose, but for a season fair,<br />
A ghostly glance, a skeleton of death,<br />
A morning dew, pearling the grass beneath,<br />
Wohose moisture sun's appearance doth impair,<br />
A lightning glipmse, a muse of sort and care,<br />
A planet's shot, a shade wich followeth,<br />
A voice which vanishes so soon as herard,<br />
The thriftless heir of time, a rolling wave,<br />
A show, no more in action than regard,<br />
A mass of Dust, World's momentary slave,<br />
Is man, in state of our old Adam made,<br />
Soon born to die, soon flourishing to fade.<br />
<br />
1571-1609]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein Windhauch, kurzer Atem greiser Luft,<br />
die Luft in einer kleinen Wasserblase,<br />
ein Augenblick, Gebein in leiser Gruft,<br />
ein halbverdorrter Strauß in blasser Vase,<br />
<br />
der Morgentau, der frisch vom Grase lief<br />
und fürchtete, dass schon die Sonne winkt,<br />
der Gast, der nach dem letzten Glase rief,<br />
die treue Muse, die mit Wonne singt,<br />
<br />
die Stimme, die, sobald vernommen, schwand,<br />
die Zeit, die ziellos ihre Wellen schreibt<br />
der Film, den man zu recht verschwommen nannt,<br />
der Lack, der sich schon von den Schwellen reibt: <br />
<br />
Der Mensch, der sich ins Leben heiß verkrallt,<br />
das, kaum erblüht, in kleinem Kreis verhallt.<br />
<br />
<br />
A blast of wind, a momentary breath,<br />
A wartery bubble symbolized with air,<br />
A sun-blown Rose, but for a season fair,<br />
A ghostly glance, a skeleton of death,<br />
A morning dew, pearling the grass beneath,<br />
Wohose moisture sun's appearance doth impair,<br />
A lightning glipmse, a muse of sort and care,<br />
A planet's shot, a shade wich followeth,<br />
A voice which vanishes so soon as herard,<br />
The thriftless heir of time, a rolling wave,<br />
A show, no more in action than regard,<br />
A mass of Dust, World's momentary slave,<br />
Is man, in state of our old Adam made,<br />
Soon born to die, soon flourishing to fade.<br />
<br />
1571-1609]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Garten. E. A. Robinson (1869-1935)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4634</link>
			<pubDate>Fri, 13 Jul 2018 22:27:21 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4634</guid>
			<description><![CDATA[Der Garten<br />
<br />
Da wuchert wirr ein zaunlos wilder Garten<br />
mit Knospen, Blüten aller Klassen, Blättern.<br />
Ein Gärtner steht im grünlich blassen Klettern -<br />
was lässt sein Zeichen, das dir gilt, erwarten?<br />
<br />
Er führt zur Stelle durch die Flucht aus Reben,<br />
wo du die Kerne einst im Sande ließt,<br />
bis du’s im Staub, im brachen Lande siehst,<br />
inmitten Unkraut: deine Frucht aus Leben.<br />
<br />
Mein Lebensweg! Um jeden Berg gewunden,<br />
zu tausend Leben führt die Spur, zu Türen:<br />
Aus allen reichen Speichern sanken Daten.<br />
<br />
In jedem Blatt ist Signatur zu spüren,<br />
der Zauber ewiger Gedankensaaten;<br />
im Garten wurzelt Gottes Werk gebunden.<br />
<br />
<br />
 The Garden<br />
There is a fenceless garden overgrown<br />
With buds and blossoms and all sorts of leaves;<br />
And once, among the roses and the sheaves,<br />
The Gardener and I were there alone.<br />
<br />
He led me to the plot where I had thrown<br />
The fennel of my days on wasted ground,<br />
And in that riot of sad weeds I found<br />
The fruitage of a life that was my own.<br />
<br />
My life! Ah, yes, there was my life, indeed!<br />
And there were all the lives of humankind;<br />
And they were like a book that I could read,<br />
<br />
Whose every leaf, miraculously signed,<br />
Outrolled itself from Thought's eternal seed,<br />
Love-rooted in God's garden of the mind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Garten<br />
<br />
Da wuchert wirr ein zaunlos wilder Garten<br />
mit Knospen, Blüten aller Klassen, Blättern.<br />
Ein Gärtner steht im grünlich blassen Klettern -<br />
was lässt sein Zeichen, das dir gilt, erwarten?<br />
<br />
Er führt zur Stelle durch die Flucht aus Reben,<br />
wo du die Kerne einst im Sande ließt,<br />
bis du’s im Staub, im brachen Lande siehst,<br />
inmitten Unkraut: deine Frucht aus Leben.<br />
<br />
Mein Lebensweg! Um jeden Berg gewunden,<br />
zu tausend Leben führt die Spur, zu Türen:<br />
Aus allen reichen Speichern sanken Daten.<br />
<br />
In jedem Blatt ist Signatur zu spüren,<br />
der Zauber ewiger Gedankensaaten;<br />
im Garten wurzelt Gottes Werk gebunden.<br />
<br />
<br />
 The Garden<br />
There is a fenceless garden overgrown<br />
With buds and blossoms and all sorts of leaves;<br />
And once, among the roses and the sheaves,<br />
The Gardener and I were there alone.<br />
<br />
He led me to the plot where I had thrown<br />
The fennel of my days on wasted ground,<br />
And in that riot of sad weeds I found<br />
The fruitage of a life that was my own.<br />
<br />
My life! Ah, yes, there was my life, indeed!<br />
And there were all the lives of humankind;<br />
And they were like a book that I could read,<br />
<br />
Whose every leaf, miraculously signed,<br />
Outrolled itself from Thought's eternal seed,<br />
Love-rooted in God's garden of the mind.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Rilke Remix: Sonette an Orpheus XXVIII]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4633</link>
			<pubDate>Sat, 30 Jun 2018 19:28:22 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=2912">Rohrer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=4633</guid>
			<description><![CDATA[Du bist bloß auf den ersten Blick noch Kind,<br />
komm zeigs, mach mit mir die Figur im Tanzen,<br />
die andern Jungs sind für den Kick noch blind,<br />
uns eint im Beat Struktur:  Natur im Ganzen<br />
<br />
steht wie ein Baum, will sich im Club betragen,<br />
als sei sie starr; bleibt wenn ich red nur stumm:<br />
stop motion will der Blick der Truppe klagen,<br />
bleibt sich im Smalltalk fremd und steht nur rum.<br />
<br />
Du kennst die Punchline schon: One time, two wrongs,<br />
hast jede Schwingung, heiß wie kühl, vernommen,<br />
bis du den Text in ihrer Mitte schreist.<br />
<br />
Versuchst fast kaum noch schöne Schritte: Meist<br />
bist du schon längst wie mein Vinyl, verkommen,<br />
drehst dich zu mir, mein Freund: One Rhyme, two tongues.<br />
<br />
<br />
Sonette an Orpheus XXVIII<br />
<br />
O komm und geh. Du, fast noch Kind, ergänze<br />
für einen Augenblick die Tanzfigur<br />
zum reinen Sternbild einer jener Tänze,<br />
darin wir die dumpf ordnende Natur<br />
<br />
vergänglich übertreffen. Denn sie regte<br />
sich völlig hörend nur, da Orpheus sang.<br />
Du warst noch die von damals her Bewegte<br />
und leicht befremdet, wenn ein Baum sich lang<br />
<br />
besann, mit dir nach dem Gehör zu gehn.<br />
Du wußtest noch die Stelle, wo die Leier<br />
sich tönend hob –; die unerhörte Mitte.<br />
<br />
Für sie versuchtest du die schönen Schritte<br />
und hofftest, einmal zu der heilen Feier<br />
des Freundes Gang und Antlitz hinzudrehn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Du bist bloß auf den ersten Blick noch Kind,<br />
komm zeigs, mach mit mir die Figur im Tanzen,<br />
die andern Jungs sind für den Kick noch blind,<br />
uns eint im Beat Struktur:  Natur im Ganzen<br />
<br />
steht wie ein Baum, will sich im Club betragen,<br />
als sei sie starr; bleibt wenn ich red nur stumm:<br />
stop motion will der Blick der Truppe klagen,<br />
bleibt sich im Smalltalk fremd und steht nur rum.<br />
<br />
Du kennst die Punchline schon: One time, two wrongs,<br />
hast jede Schwingung, heiß wie kühl, vernommen,<br />
bis du den Text in ihrer Mitte schreist.<br />
<br />
Versuchst fast kaum noch schöne Schritte: Meist<br />
bist du schon längst wie mein Vinyl, verkommen,<br />
drehst dich zu mir, mein Freund: One Rhyme, two tongues.<br />
<br />
<br />
Sonette an Orpheus XXVIII<br />
<br />
O komm und geh. Du, fast noch Kind, ergänze<br />
für einen Augenblick die Tanzfigur<br />
zum reinen Sternbild einer jener Tänze,<br />
darin wir die dumpf ordnende Natur<br />
<br />
vergänglich übertreffen. Denn sie regte<br />
sich völlig hörend nur, da Orpheus sang.<br />
Du warst noch die von damals her Bewegte<br />
und leicht befremdet, wenn ein Baum sich lang<br />
<br />
besann, mit dir nach dem Gehör zu gehn.<br />
Du wußtest noch die Stelle, wo die Leier<br />
sich tönend hob –; die unerhörte Mitte.<br />
<br />
Für sie versuchtest du die schönen Schritte<br />
und hofftest, einmal zu der heilen Feier<br />
des Freundes Gang und Antlitz hinzudrehn.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nach Trakls "Verfall"]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=2251</link>
			<pubDate>Mon, 25 Jul 2011 18:21:40 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=345">M. Friedrich</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=2251</guid>
			<description><![CDATA[Ein Sonett, das ich mit dem Grundmotiv von Trakls "Verfall" geschrieben habe.<br />
<br />
Am Bahnhof. Nach Hause wollen<br />
<br />
<br />
Der Bahnsteig: aufgerissen. Pflanzen: quergestreut.<br />
Die Sonne: Stein aus Licht. Der Himmel: Wolkenstaub.<br />
Erstarrt im Fels des Tags. Der schönste Traum vertäut<br />
an faulem Steg. Betrauern wir den Sternenraub,<br />
den dieser Sommer büßen soll? Der Weg ein Hall:<br />
Das Zügerauschen bringt die Hitze wieder, bringt<br />
die Zeit, die wir vermissen wie den goldnen Ball,<br />
der uns beglückt: Aus dieser schalen Hitze schwingt<br />
das Pendel unsrer Sehnsucht, doch vom Traum getrennt,<br />
den wir uns einst erdachten. Weg: du Pflastergrab.<br />
Der Himmel: Wolkenstaub. Was jeder schnell erkennt:<br />
Gebüsch verdorrt am Wegesrand. Der Lichterstab<br />
verschwindet in den Weiten. Sehnsucht: falscher Preis.<br />
Der Bahnsteig: aufgefetzt. Gestrüpp verdorrt am Gleis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein Sonett, das ich mit dem Grundmotiv von Trakls "Verfall" geschrieben habe.<br />
<br />
Am Bahnhof. Nach Hause wollen<br />
<br />
<br />
Der Bahnsteig: aufgerissen. Pflanzen: quergestreut.<br />
Die Sonne: Stein aus Licht. Der Himmel: Wolkenstaub.<br />
Erstarrt im Fels des Tags. Der schönste Traum vertäut<br />
an faulem Steg. Betrauern wir den Sternenraub,<br />
den dieser Sommer büßen soll? Der Weg ein Hall:<br />
Das Zügerauschen bringt die Hitze wieder, bringt<br />
die Zeit, die wir vermissen wie den goldnen Ball,<br />
der uns beglückt: Aus dieser schalen Hitze schwingt<br />
das Pendel unsrer Sehnsucht, doch vom Traum getrennt,<br />
den wir uns einst erdachten. Weg: du Pflastergrab.<br />
Der Himmel: Wolkenstaub. Was jeder schnell erkennt:<br />
Gebüsch verdorrt am Wegesrand. Der Lichterstab<br />
verschwindet in den Weiten. Sehnsucht: falscher Preis.<br />
Der Bahnsteig: aufgefetzt. Gestrüpp verdorrt am Gleis.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Stopping by Woods / Robert Frost]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1751</link>
			<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 14:07:54 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=5">Sneaky</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1751</guid>
			<description><![CDATA[Ich ahne, wem die Wälder hier gehören,<br />
sein Haus im Dorf ist weit entfernt, zu weit,<br />
als dass er mich hier sieht, im Bann der Zeit,<br />
die schneelastig bedeckt das Grün der Föhren.<br />
<br />
Mein Pferdchen scheint der Aufenthalt zu stören,<br />
im Niemandsland des  Walds im Winterweiß,<br />
beim See mit seiner Schuppenschicht aus Eis,<br />
es scheint den Tritt der längsten Nacht zu hören,<br />
<br />
schnaubt, schüttelt sich, lässt sacht sein Zaumzeug klirren,<br />
als wollte es mich wecken aus dem Bann<br />
des weißen Wisperns tief im Flockenflirren,<br />
<br />
des Lockrufs, den der Wald vor mir ersann. <br />
Doch mein Versprechen drängt,  nicht abzuirren,<br />
'S ist weit noch bis ich schlafen kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ich ahne, wem die Wälder hier gehören,<br />
sein Haus im Dorf ist weit entfernt, zu weit,<br />
als dass er mich hier sieht, im Bann der Zeit,<br />
die schneelastig bedeckt das Grün der Föhren.<br />
<br />
Mein Pferdchen scheint der Aufenthalt zu stören,<br />
im Niemandsland des  Walds im Winterweiß,<br />
beim See mit seiner Schuppenschicht aus Eis,<br />
es scheint den Tritt der längsten Nacht zu hören,<br />
<br />
schnaubt, schüttelt sich, lässt sacht sein Zaumzeug klirren,<br />
als wollte es mich wecken aus dem Bann<br />
des weißen Wisperns tief im Flockenflirren,<br />
<br />
des Lockrufs, den der Wald vor mir ersann. <br />
Doch mein Versprechen drängt,  nicht abzuirren,<br />
'S ist weit noch bis ich schlafen kann.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Das Fliegenpapier (nach Robert Musil)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1160</link>
			<pubDate>Wed, 03 Sep 2008 15:27:45 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1160</guid>
			<description><![CDATA[Das Fliegenpapier<br />
(nach Robert Musil)<br />
<br />
<br />
<br />
Sie werden angelockt vom süßlichen Geruch <br />
des Giftleims, setzen sich ganz arglos aufs Papier.<br />
Da kleben andre schon, die grad wie zu Besuch <br />
herkamen, hier nun sind, hier bleiben, nur noch hier.  <br />
<br />
Lang stehn sie aufrecht da, soldatisch, heldenhaft.<br />
Man fühlt die Spannung in den kleinen Köpfen sausen.<br />
Für einen Absprung sammeln sie die ganze Kraft <br />
bis zur Erschöpfung. Länger werden bald die Pausen,  <br />
<br />
sie schwächer, bis die Beinchen knicken, und im Nu<br />
sind sie am Schenkel oben oder Bauch fixiert, <br />
ihr Überlebenskampf wird aussichtslos und dumpf,<br />
<br />
nun sehn sie aus wie Flieger, die in einen Sumpf<br />
gerast sind, unnatürlich, komisch, affektiert - <br />
tags drauf noch klappen ihre Augen auf und zu.<br />
<br />
<br />
<br />
Anmerkung:<br />
<br />
Das Sonett ist eine versifizierte und komprimierte Darstellung von Musils kurzem Prosatext "Das Fliegenpapier" aus seinem Buch "Nachlass zu Lebzeiten".<br /><!-- start: postbit_attachments_attachment -->
<br /><!-- start: attachment_icon -->
<img src="https://sonett-archiv.com/forum/images/attachtypes/image.gif" title="JPEG Image" border="0" alt=".jpg" />
<!-- end: attachment_icon -->&nbsp;&nbsp;<a href="attachment.php?aid=180" target="_blank" title="">fliegenfänger661.jpg</a> (Größe: 282,77 KB / Downloads: 3056)
<!-- end: postbit_attachments_attachment -->]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Fliegenpapier<br />
(nach Robert Musil)<br />
<br />
<br />
<br />
Sie werden angelockt vom süßlichen Geruch <br />
des Giftleims, setzen sich ganz arglos aufs Papier.<br />
Da kleben andre schon, die grad wie zu Besuch <br />
herkamen, hier nun sind, hier bleiben, nur noch hier.  <br />
<br />
Lang stehn sie aufrecht da, soldatisch, heldenhaft.<br />
Man fühlt die Spannung in den kleinen Köpfen sausen.<br />
Für einen Absprung sammeln sie die ganze Kraft <br />
bis zur Erschöpfung. Länger werden bald die Pausen,  <br />
<br />
sie schwächer, bis die Beinchen knicken, und im Nu<br />
sind sie am Schenkel oben oder Bauch fixiert, <br />
ihr Überlebenskampf wird aussichtslos und dumpf,<br />
<br />
nun sehn sie aus wie Flieger, die in einen Sumpf<br />
gerast sind, unnatürlich, komisch, affektiert - <br />
tags drauf noch klappen ihre Augen auf und zu.<br />
<br />
<br />
<br />
Anmerkung:<br />
<br />
Das Sonett ist eine versifizierte und komprimierte Darstellung von Musils kurzem Prosatext "Das Fliegenpapier" aus seinem Buch "Nachlass zu Lebzeiten".<br /><!-- start: postbit_attachments_attachment -->
<br /><!-- start: attachment_icon -->
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<!-- end: postbit_attachments_attachment -->]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>