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Krzysztof Kamil Baczyński: Elegia o...[chłopcu polskim]
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #9
RE: Krzysztof Kamil Baczyński: Elegia o...[chłopcu polskim]
Hallo,

Ich habe gerade gelesen, dass Dedecius im vergangenen Jahr gestorben ist. Die Stelle des Meisters ist also wieder vakant.


Mit Blut kann man natürlich nicht sticken. Aber wie ist denn die Etymologie im Polnischen? könnte er auch so etwas wie tätowieren gemeint haben? Ich merke schon: eine steile These. Aber Malen kann man nicht nur mit Stift und Pinsel. im übertragenen Sinn kann man jede Tätigkeit als Malen bezeichnen, bei der ein Bild entsteht. Wobei mich "tätowieren" auf eine Idee bringt: Das Verb "stechen" kann im Sinne von tätowieren die beschriebenen Bilder malen, aber auch medizinisch den Star, also trübe Augen behandeln, dass man wieder klar sehen kann.

"fließende hohe Bäume" würden sich als rauschender Wald in die Weite erstrecken. Wenn Du es zu "fließendhohe Bäume" zusammenziehst entsteht bei mir ein anderes Bild von eher flammenförmigen Baumkronen mit der Bewegungsrichtung also nach oben, so wie z. B. Van Gogh seine Zypressen in verschiedenen Bildern gemalt hat. Das geht aber in Ordnung. Originaltreue ist nicht alles und die Grenzen von Übersetzung und Nachdichtung fließend.

Du wirst bei meiner Fassung sehen, dass ich mir noch größere Freiheiten nehme Teufel2 . Kleinere Erfindungen und Ausschmückungen sind, denke ich, legitim wenn sie Stimmung und Grundaussage stützen und nichts Wesentliches aus dem Textkorpus verdrängen.

In einer neuen GANZ TREUen Übertragung wird manches klarer für mich, andere Fragen bleiben.
Z. B.: Wer sind "Sie" mit denen er sechs Zeilen beginnt?
Mein erster Gedanke war, dass er die Deutschen meint oder allgemeiner den Feind. Aber auf die Zeilen 5 und sieben passt die Deutung nicht so richtig. Meint er ganz allgemein "die Militärs"?

Und: Sind in Zeile 6 die gleichen Wege gemeint, wie in Zeile 8?
Wenn die Kanalisation gemeint ist; die mussten doch nicht eigens ausgeschnitten werden. Ich kann mir vorstellen, dass in Zeile 6 zunächst Schützengräben gemeint sind, als erster schritt von der Ebene der Wälder in die Unterwelt.

"Heller Sohn"

Ohne jeglichen Kontext würde ich annehmen, dass es ein schlauer Junge ist, ein aufgewecktes Bürschchen mit hellem Verstand. Hier in dieser Kriegs- und Leidensmetaphorik wird daraus aber ein Lichtbringer, ein Krieger der Guten Seite, jemand der Hoffnung bringt, über den eigenen Tod hinaus. Es ist ja auch eine fast messianische Leidensgeschichte, die ich in meiner Fassung vielleicht noch etwas deutlicher herausarbeite.

Ich habe auch das Reimschema geändert. Statt der Paarreime habe ich umschlingende Reime gewählt. Dahinter steht kein ausgeklügeltes dichterisches Konzept, aber wenn man alle Aspekte eines Gedichts beachten will, ist die Decke eigentlich immer zu kurz. Ich wollte einfach mal schauen, welche Möglichkeiten sich durch die andere Reimfolge ergeben....



Sie trennten dich, mein Sohn, von zitternd zarten Falterträumen,
Sie stachen dir, mein Sohn, die trüben Augen, bis sie bluten
und malten dir die Landschaft aus mit schwefelgelben Gluten.
Sie stachen dir ein Wäldermeer, gesäumt von Galgenbäumen.

Sie lehrten dich, mein Sohn, mit Spaten deine Heimatlande,
Mit Stahl und Tränen hast du ihre Wege ausgestochen.
Im Dunkeln haben sie, mein Sohn, den Laib der Angst gebrochen
und tastend gingst du diesen Weg der größten Menschenschande.

Hell tratst du mit der Waffe aus dem Dunkel in die Nacht:
Das Böse spürtest du. Minütlich wächst es auf! Wie dräut 's!
Und als du fielst, schlugst du der Heimaterde noch das Kreuz.
War es dein Herz, Sohn, oder ist nur ein Geschoss zerkracht?



So, und jetzt darfst du mich nach Herzenslust abwatschen Big Grin

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.08.2017 16:40 von ZaunköniG.)
08.08.2017 16:18
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RE: Krzysztof Kamil Baczyński: Elegia o...[chłopcu polskim] - ZaunköniG - 08.08.2017 16:18



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