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Elinor Wylie: Wild Peaches 2
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #1
USA Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Elinor Wylie
1885-1928 USA


Wild Peaches

2


The autumn frosts will lie upon the grass
Like bloom on grapes of purple-brown and gold.
The misted early mornings will be cold;
The little puddles will be roofed with glass.

The sun, which burns from copper into brass,
Melts these at noon, and makes the boys unfold
Their knitted mufflers; full as they can hold
Fat pockets dribble chestnuts as they pass.

Peaches grow wild, and pigs can live in clover;
A barrel of salted herrings lasts a year;
The spring begins before the winter's over.

By February you may find the skins
Of garter snakes and water moccasins
Dwindled and harsh, dead-white and cloudy-clear.



Wilde Pfirsiche

2


Die ersten Fröste legen sich ins Gras,
wie Flaum auf Trauben: gold und rosig-braun.
Ein kalter Nebel tränkt das Morgengrauen
und auf die Pfützen legt sich dünnes Glas,

bis Sonnenlicht wie Messing schmelzen soll
das Eis und in der Mittagszeit die Jungen
die Schals auflockern, die zu eng geschlungen;
mit Nüssen stopfen sie die Taschen voll.

Wild wächst der Pfirsich, Klee prägt das Gelände;
Ein Fass gesalzner Hering hält ein Jahr;
Der Lenz kommt, eh der Winter ganz zuende.

Im Februar entdeckt man welke Häute
von Strumpfbandnattern. Sieht man die Verknäuelte,
schaut sie zurück, so harsch, so stolz, so klar.


Wild Peaches #1
Wild Peaches #3
Wild Peaches #4



.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.11.2016 09:18 von ZaunköniG.)
18.04.2016 09:02
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Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #2
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
(18.04.2016 09:02)ZaunköniG schrieb:  Wilde Pfirsiche

2


Die ersten Fröste legen sich ins Gras,
wie Flaum auf Trauben: gold und rosig-braun.
Ein kalter Nebel tränkt das Morgengrauen
und auf die Pfützen legt sich dünnes Glas,

bis Sonnenlicht wie Messing schmelzen soll
das Eis und in der mittagszeit die Jungen
die Schals auflockern, die zu eng geschlungen.
mit Nüssen stopfen sie die Taschen voll.

Wild wächst der Pfirsich, Klee prägt das Gelände;
Ein Fass gesalzner Hering hält ein Jahr;
Der Lenz kommt, eh der Winter ganz zuende.

im Februar entdeckt man welke Häute
von Strumpfbandnattern. Sieht man die Verknäuelte,
schaut sie zurück, so harsch, so stolz, so klar.
hallo ZaunköniG

das ist eine hübsche Melange von Impressionen vom Spätherbst über den kurzen Winter bis zum frühen Lenz. kannte ich noch nicht. weder Text, noch Autorin. am besten gefällt mir der Frost wie Flaum auf Trauben-Vergleich. das hast du trefflich übertragen.
auch die Natternhemden der Snakes im Finale waren mir ein Schmankerl. von den zwei Schlangen hast du nur die Natter genommen. die Wassermokassinotter musstest du wohl weglassen. kein Wunder bei diesem Wust von einem Wort. wofür steht die 2 in der Überschrift? gibts noch eine Version?
diese weintraubenähnlichen Früchte hab ich leider noch nie gesehen. es sind doch diese scuppernong gemeint in Z2, oder? werden die auch wilde Pfirsiche genannt?

schön auch wie formal der Jambus gebrochen wird im Terzett und wie du ihn mitgebrochen hast. das lässt die Überschrift nochmals geschickt im Textkörper aufklingen.

bei => Mit Nüssen, bitte Großschreibung oder Semikolon nach Jahr.
auch => Im Februar.

kann man zu „dwindled“ auch verknäuelt sagen? gewunden oder verwunden schiene mir passender. eigentlich sind diese Hemden meist nicht verknäult sondern länglich, verwunden und im Bodengestrüpp verfilzt und leicht zerfetzt zu finden. vollständig erhaltene ohne Schäden in den durchscheinenden Schuppen, gibts auch, aber seltener.
als Knäuel habe ich sie jedenfalls noch nie aufgefunden (hier bei uns in Europa, von der Ringelnatter zumeist).
bei deinem Finale störte mich das dreimalige „so“. das liest sich etwas unbeholfen.
Vorschlag:

Im Februar da findet man die Hemden
von Wassermokassin und Strumpfbandenden,
rau verwunden, milchig weiß und wolkenklar.



Gruß
Alcedo
19.04.2016 16:51
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #3
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Hallo Alcedo,

Die zurückgebliebenen Schlangenhäute finde ich auch ein schönes Bild, ob sie von verschiedenen Arten stammen halte ich für nicht so wichtig. Das Bild wird einfach noch etwas opulenter durch die Aufzählung, aber in der Übertragung hatte ich nicht mehr genug Platz für alles.

Zum Titel: Wild Peaches sind ein kleiner Gedichtzyklus aus 3 Sonetten und einem 13-Zeiler. Dieses ist das zweite Gedicht.
Die scuppernong werden im ersten Teil erwähnt. Ob sie auch hier explizit gemeint sind? Aber der mehltauartige weiße Belag, der sich oft auf reifen Trauben fondet, ist ein schöner Vergleich zum Raureif.

Gewunden, verschlungen, verknäuelt.... ich denke, dass man es in den meisten Fällen Synonym verwenden kann. Dass die abgelegten Häute nicht verknäuelt sind, ist wohl war, allerdings sehe ich hier die lebendige Schlange, die verknäuelt noch in der Nähe ihrer alten Haut verharrt.

Die Rechtschreibfehler habe ich gleich oben eingebessert. Danke für die Hinweise.


Gruß
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.04.2016 17:39 von ZaunköniG.)
19.04.2016 17:25
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Hallo Zaunkönig,

ich hab mich auch mal an eine Version gemacht, da meine Lesart -hauptsächlich- in den Terzetten doch einiges weggeht von deiner.

DAs "pig in the clover" ist eine Redensart, bedeutet soviel wie bei uns "leben wie die Made im Speck".

"dwindled" sehe ich nicht unbedingt als veknäuelt, mE ist das geschrumpft. Und etwas Substantiviertes, das Stolz zurückschaut kann ich gleichfalls nicht erkennen. Diese Adjektive der letzten Zeile beziehen sich mE auf "Skins" die man in einem bestimmten Zustand vorfindet. geschrumpft, totenweiß usw.

Der Herbstfrost wird aufs Gras sich legen
wie Edelfäule sich auf Purpurtrauben,
Frühnebel allen Morgen Wärme rauben,
mit Eishaut Pfützen decken auf den Wegen.

Der Kupferton der Sonne wird changieren
zu Messing, wird das Eis erst Mittags zwingen,
und kleine Jungs zum Schalausziehen bringen,
dass Kittel Roßkastanien verlieren.

Der Herbsttisch ist für jeden reich gedeckt,
ein Fass mit Salzheringen langt ein Jahr,
vor Winterende wird der Lenz geweckt.

Im Februar schon nimmt man Häute wahr
von Wassermokassin- und Strumpfbandschlangen,
geschrumpft und brüchig, wolkenweiß, vergangen.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
21.04.2016 08:25
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #5
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Hallo Sneaky,

"Schweine können im Klee leben", das habe ich auch als Redewendung angesehen. ich finde die Zeile allerdings redundant. Den Klee habe ich dennoch übernommen, weil er auch ganz konkret für fruchtbare Böden steht, weshalb er auch in Deutschland in manchem Stadtwappen zu finden ist.

Schön, dass du die Kastanien untergebracht hast. Mir waren die an der Stelle zu lang. Auch die Edelfäule ist eine gute Lösung, auch wenn ich nicht glaube dass sie gemeint ist. Wenn ich Bilder zu Edelfäule google dann unterscheidet sich die jedenfalls deutlich von dem, was ich vor Augen habe. Oder ist der mehltauartige Belag nur ein früheres Stadium der Infektion?

An den Schlusszeilen hänge ich schon ein bisschen, weil das so ein schönes Bild ist, aber ich muss dir wohl recht geben. Und Alcedo hat es anscheinend auch so gelesen, dass es nur um die Häute geht.


Also:

2

Die ersten Fröste legen sich ins Gras,
wie Flaum auf Trauben: gold und rosig-braun.
Ein kalter Nebel tränkt das Morgengrauen
und auf die Pfützen legt sich dünnes Glas,

bis Sonnenlicht wie Messing schmelzen soll
das Eis und in der Mittagszeit die Jungen
die Schals auflockern, die zu eng geschlungen;
mit Nüssen stopfen sie die Taschen voll.

Wild wächst der Pfirsich, Klee prägt das Gelände;
Ein Fass gesalzner Hering hält ein Jahr;
Der Lenz kommt, eh der Winter ganz zuende.

Im Februar nimmt man die Häute wahr
von Strumpfbandnattern oder Wasserschlangen,
die schrumplig, spröde zwischen Zweigen prangen.



Nun habe ich auch die zweite Schlangenart drin, auch wenn der Name nicht sehr präzise ist.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
21.04.2016 17:01
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Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #6
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
(21.04.2016 17:01)ZaunköniG schrieb:  Im Februar nimmt man die Häute wahr
von Strumpfbandnattern oder Wasserschlangen,
die schrumplig, spröde zwischen Zweigen prangen.



Nun habe ich auch die zweite Schlangenart drin, auch wenn der Name nicht sehr präzise ist.
hallo ZkG

merci für den Hinweis.
dieser Wild-Peaches-Zyklus erinnert mich stilistisch an die Naturmagiker Britting, Loerke, Lehmann, Busta. Britting hat damals formal auch dem Sonett gehuldigt, Busta genauso magisch die Sonnenblumen gemalt wie Wylie die Bronzetrauben (=> Christine Busta: „Einer Sonnenblume“).
das Erzählerische hat was aussteigerisches wie bei Thoreau und erinnert an den magischen Realismus von Marquez. Wylie pflanzt ihr Macondo gekonnt in die Südstaaten mit kurzen Wintern und paradiesischen Herbsten.  wo es bei Marquez gelbe Schmetterlinge regnet wenn der Buendia stirbt, häutet sich bei Wylie der Winter im frühen Februar vor subtropischer Hitze.
da wie dort: ich lese und bin begeistert und habe zu danken.

auch fragte ich mich bei der einen starken Schlusszeile mit dem erschossenen/fallenden Squirrel ob Nabokov die wohl kannte, damals als er Lolita schrieb. unter den zahlreichen literarischen Anspielungen seines Lolita-Protagonisten, erinnerte es mich an die an einer Stelle angeführten überfahrenen Eichkatzen. jetzt müsste ich nur noch vergleichen ob es im gleichen Landstrich geschah, wie in dem von Wylie besungenen - dann hätte ich meine Bestätigung.

zu deiner Terzett-Änderung on topic:
ja, das liest sich jetzt viel stimmiger. die fehlende Spezifizierung der Otter stört nicht.

schöne Version auch von @Sneaker: bitte das du unten lesen!
bevor ich mich auch zu einer vollständigen Übertragung begebe, würde ich gerne folgendes von euch beiden wissen:
- darf ich einzelne Passagen von euren Versionen verwenden/übernehmen?
- Wylie bricht meiner Meinung nach die strenge jambische Form mit Absicht auf. sollte das gleiche Metrum nicht Vorrang haben? büßt die "softe" klanglich reine Jambusvariante wie sie Sneaker abgeliefert hat nicht zu viel ein, an klanglicher Originalität?
würdet ihr mir bitte das Original aufixen?

womöglich gibt es noch andere Synkopen die mir entgehen.
ich lese es so:
Wild Peaches
xXx

2 (Two)
X

The autumn frosts will lie upon the grass
Like bloom on grapes of purple-brown and gold.
The misted early mornings will be cold;
The little puddles will be roofed with glass.
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

The sun, which burns from copper into brass,
Melts these at noon, and makes the boys unfold
Their knitted mufflers; full as they can hold
Fat pockets dribble chestnuts as they pass.
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

Peaches grow wild, and pigs can live in clover;
A barrel of salted herrings lasts a year;
The spring begins before the winter's over.
XxxXxXxXxXx
xXxxXxXxXxX
xXxXxXxXxXx

By February you may find the skins
Of garter snakes and water moccasins
Dwindled and harsh, dead-white and cloudy-clear.
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
XxxXxXxXxX


Grüße
Alcedo
24.04.2016 21:45
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Ja, es ist eine Aussteiger-Phantasie, allerdings nicht in den Südstaaten, sondern in Maryland an der mittleren Ostküste. Aber zum Vergleich: Maryland liegt etwa auf dem Breitengrad von Rom! Kalte Meeresströmungen waren Grundlage für die einst besten Fischgründe der Welt. ich weiß nicht wie lang oder kurz die Winter sind, aber die Sommer dürften heiß sein und der Herbst reich gesegnet..


Entsprechende Texte von Loerke, Britting, Busta kenne ich nicht, bzw. habe sie gerade nicht im Sinn, aber ja! eine Spur magischen Realismus sehe ich auch darin.
Vielleicht stellst du uns Busta mal vor?

Ob die Synkopen beabsichtigt sind oder hineingeschlichen? Der Text fließt. Ich denke nicht, dass man die Synkopen zwingend nachbilden muss. Bei Formgedichten muss man doch die ein oder andere Satzumstellung vornehmen. Müsste die Synkope dann also an der selben metrischen Stelle nachgebildet werden, oder dort wo die inhaltliche Aussage wieder auftaucht?


Zitat:- darf ich einzelne Passagen von euren Versionen verwenden/übernehmen?

Gute Frage.

Wo ist die Grenze zwischen einem intensiven Lektorat und einer eigenständigen Übertragung? in der Grauzone müsste man wohl von Gemeinschaftswerken sprechen. Aber ich sage mal. Foren-intern ist alles erlaubt und über alles andere wird man sich im Fall eines Falles auch einig.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.04.2016 09:39 von ZaunköniG.)
25.04.2016 09:39
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beitrag #8
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
Hallo alcedo,

ich schließ mich da gern Zaunkönig an, Foren-intern ist alles erlaubt.

@Zaunkönig,

Die Edelfäule hab ich genommen, weil der Herbst was morbides hat, trotz Fülle und Reife. Und das Wort "Bloom" erschien mir passend für die Pilzwucherung, ebenso das "purple-brown". Blaue Trauben kenn ich schon auch, aber purpur-braun hab ich als beginnenden Verfall/Fäule angesehen und da war mir die Edelfäule ambivalent genug.

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
25.04.2016 12:57
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Alcedo Offline
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Beitrag #9
RE: Elinor Wylie: Wild Peaches 2
hallo ZkG

Danke für dein Einverständnis. wenn ich es schaffe eine eigene Übertragung fertigzubekommen, wird sie exklusiv nur hier im Forum gepostet.
@Sneaker: merci auch Dir.

zu den Synkopen: nun, ich denke es ist bemerkenswert, dass Wylie sie überhaupt benutzt hat. sie scheint damit bewusst die strenge Form aufzubrechen, wie mir scheint. an welcher Stelle eine Synkope bei der Übertragung gesetzt wird, scheint mir da nachrangig: es sollte aber möglichst eine vorhanden sein, in den Terzetten, denke ich, sonst würde dem Text was fehlen.

Grüße
Alcedo

Loerke, Britting, Busta, Lehmann, aber auch Elisabeth Langgässer, Peter Huchel, Ingeborg Bachmann und Celan, waren Vertreter der sogenannten Naturmagischen Schule oder Strömung gewesen zwischen 1920 und 1930 in etwa.
Sie versuchten sich in intuitiver Poetik. ihre Lyrik zeugt mit davon, dass es durch sinnliche Anschauung möglich ist eine „höhere Bedeutung“ im Sinne von Hölderlin zu vermitteln, oder wenn du so willst, im Sinne von Issa und Bashō, oder wie im Thomasevangelium, das heute zu den Apokryphen gehört.
durch ihr intensives, fast schon magisches Beschreiben sollte dem Leser eine Welt der Wunder offengelegt werden. vom Kosmos, von Größe, von göttlicher Allmacht, Unendlichkeit oder gewalttätiger Natur, ist dabei kaum die Rede. es zeigt sich eher eine Hinwendung zum, bis dahin kaum beachteten, Gemeinen, Kleinen, Unscheinbaren aber Beständigen.

so schrieb Loerke in seinem Gedicht: „Die Laubwolke“ gleich zwei mal diese Zeile:

Beständig ist das leicht Verletzliche.

daran musste ich bei Wylies Natternhemdenbeschreibung in der beschörend-magischen letzten Zeile denken.
Dwindled and harsh, dead-white and cloudy-clear.


[line]

Erklärung gegen ein Mißverständnis

Nie habe ich einer heilen Welt
das Wort geredet.
Immer nur einer verletzlichen,
um deren gefährdete Schönheit ich bangte –
schon auf Heilung bedacht.


-Christine Busta-
01.05.2016 08:14
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