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Sándor Reményik: Archimedes
Fallada Offline
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Beitrag #12
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
Archimedes

Dies öde Leben ist nur vorgegaukelt...
Das "öde Leben" klingt sehr verstimmt und wenig poetisch
Rauch vom Altar, der sich ins Nichts verliert,
doch glücklich die verspielte Seele flirrt,
die auf den Wogen ihres Feensees schaukelt.
schön... aber es heisst doch "trauriger Feensee"

Ihr Spiel ist mehr als dieses Leben wert:
Die Seele spürt des Weges Dornen nicht;
auch schön... aber das "träumende" fehlt
Ins Feuer kehrt sie wieder, loh und licht,
... ins Feuer kehrt sie zurück
weil sie ein blasses Pergament begehrt.
... nicht begehrt... retten will sie das wertvolle - für andere blasse - Pergament

Nur aus Gewohnheit, keinem Zweck gebunden,
wischt sie ihr eignes Blut sich vom Gesicht,
wird keine ihr bewußt von ihren Wunden,

weil sie gebannt in die Gedanken flieht.
Vom Tod persönlich fürchtet sie kein Leide,
da sie nach vorn nicht, nicht nach hinten sieht.
... weiss nicht, erkenne den Geist darin nicht wieder

Und blitzt im Dunkeln die geschliffne Schneide,
... die geschliffenen Dolche sind doch sichtbar und es heisst doch "Mörderlicht"...
selbst wenn der Mörder schon das Messer zieht,
mahnt sie nur, daß er ihre Kreise meide!
... mahnt sie kühl... und es ist doch wörtliche Rede...

Ach je, Du hast Dir ja wirklich ganz viel Mühe gegeben!!! Und ich finde es
auch nicht schlecht, aber es ist halt so in ein Korsett gezwängt und hat nichts mehr
von diesem freien traurigen und so starken mutigen Geist... :(
Ich lasse es so wie es ist. Es ist eben kein Sonnett und passt wohl nicht hier rein. Man sollte nichts erzwingen... Smile

Trozdem vielen Dank für Dein Interesse!!! Ich habe mich so darüber gefreut!!! Tongue Fallada
29.12.2007 16:06
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Fallada Offline
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Beitrag #13
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
ZaunköniG schrieb:
Zitat:Kannst Du was mit all dem anfangen???

Nun immerhin gibt es die Gegensätze betont/unbetont und kurz/lang.
Es scheint mir aber nach beiden Kriterien recht unregelmäßig.
Meine Version wäre ein Fünfhebiger Jambus, wobei 'Feensees' ist ja metrisch ein unmögliches Wort, weil man sowohl bei 'Feen' als auch bei 'Sees' die E's zusammen oder getrennt aussprechen kann. Wenn die Feen nicht allzu wichtig sind würde ich da gerne ein anderes Wort nehmen, daß eindeutig nur zweisilbig ist. 'Weiher' zum Beispiel.

Gibt es in der ungarischen Dichtung eine bevorzugte Versart?
Im Deutschen wäre es der fünfhebige Jambus: xXxXxXxXxX(x)
Im Französischen der Alexandriner: xXxXxXxxXxXxXx

wobei ein kleines x für eine unbetonte Silbe steht, ein großes X für eine betonte.

LG ZaunköniG

Lieber Zaunkönig Tongue

Ich glaube, das alles ist mir zu hoch. Es fällt mir irgendwie schwer, ein Gedicht
so analytisch zu betrachten. Ich fühle es mehr von innen und genieße und trinke die Worte... es ist wie reines Wasser für mich...

Ich kann Dir auch gar nicht sagen, was in Ungarn die bevorzugte Versart ist :(

Fallada
29.12.2007 16:16
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #14
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
Hallo Fallada,

Jede Übersetzung oder Bearbeitung ist irgendwie auch eine Interpretation. Ein anderer Leser wird vielleicht noch ganz andere Aspekte finden oder unterschlagen. Natürlich sind manche Verschiebungen dem 'starren' Korsett geschuldet, aber das macht den Dichter aus, daß er sich diese Formen dienstbar macht, statt sich ihnen unterzuordnen. Dies war doch nur ein erster Wurf, sicher kommt man noch näher dran.

Wie interpretierst du das 'traurige Leben' ? In Zeile 2 schreibt er von Rauch, der sich auflöst, daher habe ich es in Bezug auf Vergänglichkeit = Sinnlosigkeit gelesen. Da finde ich, passt öde ganz gut. Ich dachte auch an 'arm(selig)' aber arm an Seele ist es ja gerade nicht.

Ich verstehe auch den Feensee nicht recht, muß ich gestehen. Der See ist doch die Metapher für das Leben und die Seele schwebt darüber oder darauf. Bei einem 'Feensee' gehe ich aber davon aus, daß der See selbst beseelt ist.

Daß er das blasse Pergament retten will. sehe ich auch so, da bin ich wohl nicht deutlich genug.

Wie ich deine Version lese, ist der Dolch nur sichtbar, weil er im Mörderlicht blitzt. Aber was ist Mörderlicht? Ein Licht das vom Mörder selbst ausgeht? Ich denke nicht. Vermutlich eher ein gedämpftes Zwielicht, wo Mörder und Messer eben nur noch andeutungsweise erkennbar sind. Das ist finde ich aber gar nicht so wichtig. Entscheidend finde ich, daß die Seele ihren Mörder sehr wohl erkannt hat und dennoch furchtlos bleibt.


Ich werde mich die Tage nochmal dranmachen und wenn sonst nichts hilft: Mit 2 Silben mehr pro Zeile steigen die Ausdrucksmöglichkeiten rapide an.

LG ZaunköniG.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
29.12.2007 22:16
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Fallada Offline
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Beitrag #15
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
Wie interpretierst du das 'traurige Leben' ?
Meinst Du "trauriges Spiel"? Ich glaube, damit meint der Dichter sich selbst,
sein einsames Spiel mit den Worten, die er schreibt. Denn ein Spiel ist es doch wohl --- aber eben ein einsames, das er auch mit niemandem teilen kann...


In Zeile 2 schreibt er von Rauch, der sich auflöst, daher habe ich es in Bezug auf Vergänglichkeit = Sinnlosigkeit gelesen. Da finde ich, passt öde ganz gut. Ich dachte auch an 'arm(selig)' aber arm an Seele ist es ja gerade nicht.
Ich glaube, der Rauch, der vom Altar aufsteigt, ist die Seele oder noch besser: der Geist, der nach dem Tod sich aus seinem Körper löst und aufsteigt. Deshalb benutzt er wohl auch das Bild des "Altars", sinnbildlich für das "Heilige Mysterium des Todes". Dass der Rauch sich ins Nichts verirrt, könnte auch bedeuten, dass der Dichter aus Bescheidenheit nicht sagen möchte: "Zu Gott" --- obwohl er Ihn doch laut seinen Gedichten liebt... aber er ist sich vielleicht noch nicht ganz sicher, was mit ihm in diesem Moment sein wird --- eben weil er so demütig ist...

Ich verstehe auch den Feensee nicht recht, muß ich gestehen. Der See ist doch die Metapher für das Leben und die Seele schwebt darüber oder darauf. Bei einem 'Feensee' gehe ich aber davon aus, daß der See selbst beseelt ist.
Ach ja...Big Grin Der Feensee ist eine eher unschöne Bezeichnung für "tündértaván". In den ungarischen Märchen spielen die Feen eine sehr große Rolle. Meistens sind sie die Führer, die Helfer in der geistigen Welt --- selten sind sie "Verführer". Ich denke aber, dass hier eher die "Vizitündérek", die Wasserfeen/Nixen gemeint sind, die in dem See leben...

Daß er das blasse Pergament retten will. sehe ich auch so, da bin ich wohl nicht deutlich genug.

Wie ich deine Version lese, ist der Dolch nur sichtbar, weil er im Mörderlicht blitzt. Aber was ist Mörderlicht? Ein Licht das vom Mörder selbst ausgeht? Ich denke nicht. Vermutlich eher ein gedämpftes Zwielicht, wo Mörder und Messer eben nur noch andeutungsweise erkennbar sind. Das ist finde ich aber gar nicht so wichtig. Entscheidend finde ich, daß die Seele ihren Mörder sehr wohl erkannt hat und dennoch furchtlos bleibt.
Im ungarischen heisst es ganz wörtlich: Der, wenn schon das mordende Licht aufblitzt auf den scharfen Messern des Feindes... (das Wort "Mörderlicht" stammt von mir, ich dachte es passt...Rolleyes)


... tja... da bin ich aber gespannt... Big Grin

Fallada
29.12.2007 22:46
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #16
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
ich habe gerade die Lebensdaten ermittelt:

Reményik Sándor (1890-1941)

damit fällt der Text noch bis einschließlich 2011 unter Urheberrechtsschutz (Bis Ablauf des 70sten Kalenderjahres nach dem Tod des Urhebers), was auch für Übersetzungen und Bearbeitungen gilt. Nun habe ich zwar keine übermäßige Angst kontrolliert oder gar bestraft zu werden, aber da ich selber Künstler bin schützt dieses Gesetz auch meine Rechte. Daher habe ich den Text mal hier in die "Verschlußsachen" verschoben. Zugang haben nur Registrierte Forenmitglieder, die selbst eine Übersetzung geliefert oder konstruktive Kritik geübt haben. Die Freischaltung erfolgt manuell durch mich. Mit diesen Eingeschränkten Zugriffsrechten, denke ich, ist es keine Veröffentlichung mehr im Sinne des Urheberrechtes.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.12.2007 08:24 von ZaunköniG.)
30.12.2007 08:22
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #17
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
Hallo Fallada,

die Archimedes-Legende habe ich gerade erst entdeckt.
Sie erinnert ein Wenig an die Anekdote eines anderen griechischen Philosophen. Ich glaube es war Diogenes, dem Alexander der Große aus Anerkennung und Bewunderung einen Wunsch erfüllen wollte, der aber wünschte nur: "Gehe mir aus der Sonne!"

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
30.12.2007 12:09
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Fallada Offline
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Beitrag #18
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
ZaunköniG schrieb:Hallo Fallada,

die Archimedes-Legende habe ich gerade erst entdeckt.
Sie erinnert ein Wenig an die Anekdote eines anderen griechischen Philosophen. Ich glaube es war Diogenes, dem Alexander der Große aus Anerkennung und Bewunderung einen Wunsch erfüllen wollte, der aber wünschte nur: "Gehe mir aus der Sonne!"

LG ZaunköniG

... das ist ein wunderbarer Vergleich! Du hast Recht, es ist genau dieselbe Botschaft!

Tongue Fallada
31.12.2007 15:57
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #19
RE: Reményik Sándor: ARCHIMEDES
Hallo Fallada,

Ich habe die Beiträge zum Urheberrecht mal als eigenes Thema ins 'Cafe' geschoben, damit es diesen Tread nicht zerreißt, dort ist sicher noch nicht alles gesagt.

Nun aber wieder zu Archimedes:

Zitat:Man könnte diese Sprache auch als eine Art Singsang am Besten beschreiben...

Bei 'Singsang' fiel mir spontan mal der Daktylus ein,
xXxxXxxXxxXx
den ich hier mal vierhebig versucht habe:



Archimedes

Dies traurige Leben ist nur vorgegaukelt,
Altarrauch, der sich in die Leere verliert,
doch glücklich der Geist, der beim Wellenspiel flirrt,
der sanft überm traurigen Feensee schaukelt.

Sein Spiel ist viel mehr, als der Lebenshauch wert;
Die Dornen am Wege beachtet er nicht,
geht zurück in das brennende Haus, loh und licht,
weil ein blasses Papyr er zu retten begehrt.

Wie er es gewohnt, keinem Zweck je verbunden,
wischt er sich das eigene Blut vom Gesicht,
hegt keine Gedanken an eigene Wunden,

schon längst in die Welt der Ideen geflohen.
Er fürchtet vom Tode persönlich kein Leide;
Er richtet nach vorn nicht, noch rückwärts die Sicht,

Und funkelt schon auf die geschliffene Schneide,
selbst wenn ihm die Messer der Mörder schon drohen,
so mahnt er nur: "Stör' meine Kreise jetzt nicht!"

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.01.2008 17:17 von ZaunköniG.)
05.01.2008 13:32
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